Seit mehr als zwei Jahren kreuzt ein aus dem Wendland geschicktes Segelboot im Mittelmeer, um nach in Seenot geratenen Flüchtlingen Ausschau zu halten. Jetzt haben die italienischen Behörden ein Auslaufverbot für die «Trotamar III» verhängt.
Lampedusa/Clenze (epd). Das von einer Initiative aus dem Wendland zur Unterstützung der Seenotrettung ins Mittelmeer entsandte Segelboot «Trotamar III» ist nach Angaben der Crew von den italienischen Behörden auf der Insel Lampedusa festgesetzt worden. Das Auslaufverbot sei am Donnerstag mit der Begründung verhängt worden, dass eine zuvor erfolgte Rettungsaktion der «Trotamar III» nicht mit den tunesischen Behörden abgesprochen worden sei, teilte die Initiative Compass Collective am Freitag im wendländischen Clenze mit.
Die «Trotamar III» habe am Dienstagnachmittag vor der tunesischen Küste 18 in Seenot geratene Geflüchtete auf einem Schlauchboot entdeckt und an Bord genommen, bevor die tunesische Marine sie erreichen konnte. In den Vortagen seien viele Flüchtlinge von der libyschen oder tunesischen Küstenwache «abgefangen und illegal zurückgeführt» worden, hieß es weiter.
Seit der Aufnahme der Rettungstätigkeit im Mittelmeer vor mehr als zwei Jahren weigere sich das Compass Collective, die Küstenwache dieser nordafrikanischen Länder zu Hilfe zu rufen. «Die Menschen fliehen aus Ländern, die die Menschenrechte nicht wahren», sagte Ina Friebe, Skipperin und Einsatzleiterin der «Trotamar III». «Wenn ich die tunesischen Behörden informiert hätte, wären die 18 Menschen in Seenot Gefahr gelaufen, illegal nach Tunesien zurückgeführt zu werden. Stattdessen habe ich die Seenotleitzentralen in Malta und Italien informiert, die einen sicheren Ort garantieren können - so wie es das internationale Seerecht vorschreibt.»
Die «Trotamar III» war den Angaben zufolge bislang in 23 Einsätzen im Mittelmeer unterwegs. Dabei hätten durch Alarmierung der zuständigen Rettungsleitzentrale 1992 Menschen von der italienischen Küstenwache gerettet werden können, nachdem sie vorher mit Rettungswesten und Trinkwasser über Stunden von der Besatzung des Segelboots unterstützt wurden. 398 Menschen seien bisher direkt auf das Segelboot gerettet und nach Lampedusa in Sicherheit gebracht worden.