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Er tänzelte durch den Boxring und wurde vom NS-Regime verfolgt: Johann «Rukeli» Trollmann war ein außergewöhnlicher Boxer. Nun hat Zeichner Gerhard Mauch sein Leben als Graphic Novel nachgezeichnet.

Hannover/Rottweil (epd). Johann «Rukeli» Trollmann (1907-1944) tänzelt auf Zehenspitzen von einem Fuß auf den anderen, seine Hände in den großen Boxhandschuhen reckt er erwartungsvoll in die Höhe: Mit filigranen Bleistiftlinien hat Zeichner Gerhard Mauch den «Ausnahmeboxer» in seiner Graphic Novel dargestellt - der Hintergrund ist dunkel und nur ein Scheinwerfer erleuchtet den Boxring. Trollmann gehörte der ethnischen Minderheit der Sinti an und errang 1933 den Meistertitel im Halbschwergewicht. Eine Woche später wurde ihm der Titel durch das NS-Regime wieder aberkannt.

Mauch hat das Leben Trollmanns, der in Hannover aufwuchs, in unzähligen kleinen schwarz-weiß-Zeichnungen dokumentiert. Trollmanns Geschichte wurde bereits auf Theaterbühnen und in Filmen erzählt.

«Ich selbst bin kein Box-Fan und sehe die Prügelei auch eher skeptisch», sagt Mauch, der sich selbst als politischen Zeichner der Fairhandelsbewegung sieht. An Trollmann habe ihn allerdings der tänzelnde, ausweichende Box-Stil fasziniert, für den dieser später auch immer mit Muhammad Ali in Verbindung gebracht worden sei.

Letzter Kampf kreideweiß

Während Trollmann so viel Ruhm erlangte, dass selbst der deutsche Boxweltmeister Max Schmeling ihn in die USA holen wollte, war der Sinto den Nationalsozialisten wegen seines außergewöhnlichen Boxstils schnell ein Dorn im Auge. Seine tänzelnde Technik habe dem damaligen Bild vom «ehrlichen Boxen» nicht entsprochen, erläutert der 71-jährige Mauch: «Beim deutschen Boxen stand man sich gegenüber und haute ins Gesicht.»

Nach der Aberkennung des Meistertitels habe Trollmann seinen letzten öffentlichen Kampf gekämpft, und auch den hat der 71-jährige Künstler in der Graphic Novel festgehalten: «Der Legende nach, hat er seine Haare gebleicht, um besonders arisch zu wirken.» Da ihm das «Tanzen» im Boxring verboten wurde, habe sich Trollmann fast regungslos von seinem Gegner Gustav Eder k.o. schlagen lassen.

Tod im Konzentrationslager

1938 wurden Sinti und Roma in Deutschland offiziell als «Nichtarier» eingestuft. Der einst so berühmte Boxer wurde in den folgenden Jahren verfolgt, zwangssterilisiert ins Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg verschleppt und starb schließlich im Außenlager Wittenberge. Schätzungen zufolge wurden bis zu einer halben Million Sinti und Roma Opfer des Holocaust.

Lange geriet die Geschichte des Ausnahme-Talents in Vergessenheit: Erst in den 1980er und 1990er Jahren wurde Trollmanns Lebensgeschichte aufgearbeitet. Der Zeichner Mauch, der ehrenamtlich in einem «Weltladen» arbeitet, hat in der Graphic Novel deshalb auch ausführlich das Gedenken an den Boxer dokumentiert und dabei viel Zeit mit Recherchen statt am Zeichentisch verbracht.

Comic mit Bildungsauftrag

Da die Gruppe der Sinti und Roma noch heute stigmatisiert werde, verstehe er seine Arbeit auch als Bildungsauftrag, betont Mauch. Immer wieder ist er mit seinem «Comic» daher in Schulen zu Gast und hält Vorträge. Seine Zeichnungen zeigen unter anderem die posthume Verleihung des Meister-Gürtels für Johann Trollmann im Jahr 2003 und die verschiedenen Erinnerungsorte, die in Berlin geschaffen wurden.

Auch die Orte der Kindheit und Jugend des Boxstars hat Mauch nachgezeichnet. Trollmannn wuchs in der Altstadt von Hannover auf, einem damaligen Armenviertel. Die Stadt hat, dort wo sein Elternhaus stand, 2004 einen Fußweg nach ihm benannt und 2008 einen «Stolperstein» mit seinem Namen verlegen lassen.

Mauch hat für seine Recherche Biografien über Trollmann genutzt und auch Gespräche mit Trollmanns Großneffen geführt. Diese zusätzlichen Informationen sind in zahlreichen Texten in der Graphic Novel zu finden, oder auch in Fußnoten ergänzt. «Ich wollte nicht nur die zeitgebundene Geschichte zeigen, die nur sein Schicksal abbildet, sondern eben auch was daraus geworden ist.»