Kirchenvertreter aus Niedersachsen und Bremen haben angesichts von Kriegen und Konflikten in der Welt am Karfreitag dazu aufgerufen, Schritte der Versöhnung zu wagen. Dabei dürften es sich die Konfliktparteien aber nicht zu leicht machen.
Bückeburg/Bremen (epd). Angesichts von Kirchen, Konflikten und Zerstörung in der Welt haben Bischöfe und kirchliche Repräsentanten aus Niedersachsen und Bremen am Karfreitag zur Versöhnung aufgerufen. «In einer Zeit, in der Gesellschaften polarisiert sind, in der Hass und Feindseligkeit wachsen, ist die Botschaft der Versöhnung dringender denn je», sagte der schaumburg-lippische Landesbischof Oliver Schuegraf in der Stadtkirche von Bückeburg. Der evangelische Theologe ist deutscher Vorsitzender der Nagelkreuzgemeinschaft, einem weltweiten Netz von Kirchen, die sich für Frieden und Versöhnung einsetzen.
Versöhnung beginne dort, wo Menschen bereit seien, «die Geschichte der aufgetürmten Trümmer wahrhaftig zu erzählen statt sie zu verdrängen», sagte Schuegraf. Verletzungen müssten beim Namen genannt werden, statt sie zu beschönigen. In Auseinandersetzungen müsse bereits über die Zeit danach nachgedacht werden, mahnte er. Wichtig sei, «die Hand auszustrecken, statt sie als geballte Faust in der Hosentasche zu vergraben».
# Nicht vorschnell Vergebung fordern
In Bremen warnte Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus vor zu schnellen Forderungen nach Versöhnung. Echte Versöhnung brauche Zeit und eine aktive Aufarbeitung von Gewalt und Schuld, sagte er in der evangelischen Melanchthonkirche. Gerade die Kirchen seien oft der Versuchung erlegen, Versöhnung zu fordern, wenn es nicht angebracht gewesen sei.
«Vergebung kann nicht eingefordert werden», betonte Kuschnerus. «Selbst wenn Täter bereuen und umkehren, können sie keine Vergebung von denen erwarten, denen sie Gewalt angetan haben. Und kein anderer Mensch kann anstelle der Betroffenen den Tätern vergeben.» Die Bitte um Versöhnung könne es jedoch ermöglichen, dass Menschen wieder freiwillig aufeinander zugehen.
In seiner Predigt verwies Kuschnerus auf aktuelle Konflikte wie in der Ukraine, im Nahen Osten oder im Sudan. Er erinnerte aber auch an den Hass gegen Frauen, der sich in häuslicher Gewalt oder im Internet austobe, und an Fälle von sexualisierter Gewalt in der Kirche.
# Ein Haufen Nägel
Als positives Beispiel für Versöhnungsprozesse nannte Kuschnerus wie Schuegraf die Nagelkreuzgemeinschaft. Diese Gemeinschaft geht auf die Zerstörung der Kathedrale im englischen Coventry im Jahr 1940 durch die deutsche Luftwaffe zurück. In den Trümmern der Kirche fand sich damals ein Haufen Nägel. Ein Priester setzte sie zu Kreuzen zusammen. Von Coventry aus entspann sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein großes Netzwerk, zu dem heute rund 300 Kirchen gehören, darunter
75 aus Deutschland.