Interview mit Kreispfarrer Torsten Maes
Torsten Maes ist Kreispfarrer im Ev.-luth. Kirchenkreis Oldenburg Stadt in der oldenburgischen Kirche. Wir haben mit ihm über die Besonderheiten des Gebäudeeffizienzplangesetzes für seinen Kirchenkreis sowie über Traditionen und Innovationen gesprochen.
Der Ev.-luth. Kirchenkreis Oldenburg Stadt umfasst insgesamt sechs Kirchengemeinden, dazu gehören auch Ofen und Metjendorf. Was ist das Besondere an Ihrem Kirchenkreis, Herr Maes?
Oldenburg mit Ofen und Metjendorf ist ein klar umgrenzter urbaner Raum. (Ofen und Metjendorf gehören zum Kirchenkreis Oldenburg Stadt, obwohl sie den Kommunen Bad Zwischenahn bzw. Wiefelstede zuzurechnen sind). Wir haben insgesamt sechs Kirchengemeinden. Das ist eine überschaubare Anzahl. Unser Vorteil liegt in der räumlichen Nähe und der guten Erreichbarkeit, die eine enge Zusammenarbeit ermöglicht.
Kirchen wie die Lambertikirche, St. Ansgar, die Kirche Ohmstede, die Dreifaltigkeitskirche und die Kirche in Ofen sind stadtbildprägend. Viele andere Kirchen sind vor allem in der Nachkriegszeit entstanden. Man wollte kurze Wege zu kirchlichen Gebäuden haben. Die meisten dieser Gebäude sind seit 25 Jahren nicht mehr ertüchtigt worden und haben Sanierungsbedarf. Wir haben eine hohe Präsenz in der Stadt – mit vielen unterschiedlichen Gebäuden.
Sie haben bereits 2023 ein Team zusammengestellt, das sich mit den Gebäuden in Ihrem Kirchenkreis auseinandersetzt. Warum?
Wir haben zu dem Zeitpunkt bereits gemerkt, dass angesichts der Gemeindemitgliederentwicklung Handlungsbedarf besteht. Der geplante Abbau von 2,5 Pfarrstellen sowie Nachbesetzungsprobleme zeigten, dass eine gleichmäßige Versorgung im Kirchenkreis nicht mehr beibehalten werden kann. Deshalb wollten wir den Fokus auf die ganzheitliche Betrachtung der Stadt legen, um weiterhin präsent zu sein und die personelle Entwicklung aufzufangen.
Mit abnehmender Zahl an Pfarrstellen und Gemeindemitgliedern benötigen wir nicht mehr so viele kirchliche Gebäude. Wir haben damit den nun gestarteten Prozess im Rahmen des Gebäudeeffizienzplangesetzes für unseren Kirchenkreis bereits etwas früher begonnen.
Wie sieht ihre Gebäudeplanung aus? Wo legen Sie die Schwerpunkte?
Kirche ist und bleibt ein aktiver Teil der Gesellschaft, aber in Zukunft anders als bisher. Aus der Geschichte heraus gab es in jedem Stadtteil mindestens eine Kirche. Die Pastorin oder der Pastor war präsent. Das wird zukünftig nicht mehr so sein, der Pfarrberuf wird aufgabenorientierter werden. Es gibt weniger Pfarrstellen und damit müssen wir die städtischen Strukturen überdenken.
Denkmalgeschützte und stadtbildprägende Kirchen erhalten wir. Darüber hinaus wollen wir neue geistliche Orte schaffen, an denen sich die Gemeinde versammeln und Gottesdienste feiern kann, aber auch andere Veranstaltungen und Angebote stattfinden können. Nicht zuletzt stellen wir uns Co-Working-Standorte an zentraler Stelle vor. Diese sollen eine Art Funktionsräume sein, die flexibel nutzbar sind. Dort können größere Projektchöre proben oder Jugendarbeit zentralisiert werden – von verschiedenen Gemeinden und offen für andere Einrichtungen.
Wie wird sich Kirche mit einer verringerten Gebäudezahl verändern?
Die Reduktion von Gebäuden bringt unweigerlich die folgende Frage mit sich: Wie wollen wir künftig Kirche sein? Wir lassen Steine hinter uns und müssen nun überlegen, wie wir Gottes Botschaft weiter zu den Menschen bringen wollen.
Wie der Name schon sagt, sind Immobilien „immobil“, also unbeweglich. Wir müssen weg von der Komm-Struktur und der „Ein-Stunden-Zuhör-Situation“ im Gottesdienst. Beides ist nicht mehr zeitgemäß.
Wir brauchen einen echten Mentalitätswandel, um kirchliche Arbeit neu zu orientieren. Auf die Mischung kommt es dabei an. Wir brauchen traditionelle Angebote in kirchlichen Räumen, also an Orten, die aufrecht erhalten werden müssen. Und genauso brauchen wir Innovationen, um möglichst viele Menschen abzuholen und mitzunehmen.
Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Gottesdienste zu veranstalten. Die Gemeinde sollte sich dort versammeln, wo es für sie eine gewinnbringende Form des feierlichen Zusammenkommens gibt. Das kann überall sein. Warum sollten wir nicht für neue Formate auch neue, passende Orte suchen? Schauen wir nur mal nach Ostdeutschland. Dort gibt es sogar Gottesdienste, die in Gaststätten abgehalten werden – Hauptsache nah bei den Menschen.
Uns kommt vieles noch fremd vor wie das Lastenrad einer unserer Innovationspfarrerinnen, die damit durch Oldenburg tourt, Espresso serviert und dabei über Gott spricht. Doch das sind Ideen, die die Menschen erreichen, und zwar mitten im Leben.
Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie im Prozess, der durch das Gebäudeeffizienzplangesetz angestoßen wird?
Eine Herausforderung ist es für alle Mitarbeitenden, sich auf Zielvorstellungen für Kirche nach 2030 zu einigen. Wir brauchen Teams mit einer gemeinsamen Vision. Dann haben wir die Chance, als Kirche in eine neue Ära durchzustarten.
Das Interview führte Daniela Conrady am 29. August 2025

