Einige Kirchengemeinden in Niedersachsen haben sich von einer AfD-Wahlwerbung mit Kirchengebäuden zur Kommunalwahl distanziert. Die Einstellung der Partei sei mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar, hieß es.
Hannover (epd). Mehrere Kirchengemeinden in Niedersachsen haben sich von einer AfD-Werbung für die Kommunalwahlen mit Kirchengebäuden distanziert. «Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die politische Einstellung der 'Alternative für Deutschland' und der christliche Glaube für uns nicht miteinander vereinbar sind», heißt es zum Beispiel auf der Homepage des evangelischen Kirchenkreises Bramsche bei Osnabrück. Dort sei aufgefallen, dass auf Wahlplakaten der AfD Kirchengebäude aus dem Kirchenkreis und dem Nachbarkirchenkreis abgebildet waren, erläuterte Kirchenkreissprecher Kai Rolf dem Evangelischen Pressedienst (epd).
«Wir wollen ganz klar deutlich machen, dass das nicht abgesprochen ist», betonte Rolf. Die Stellungnahme kritisiert die Vereinnahmung kirchlicher Orte und Symbole für Werbung einer politischen Partei, deren Ziele den eigenen Überzeugungen diametral entgegenstünden. Der Kirchenkreis verweist zudem auf eine Erklärung «für Demokratie und Menschenwürde» der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen aus dem Mai, in der sich diese ebenfalls deutlich von der AfD abgrenzen.
Laut AfD-Kreisverband Osnabrück-Land wurden die Kirchen dagegen ausschließlich gewählt, um einen regionalen Bezug zur jeweiligen Ortschaft herzustellen. «Vergleichbar hätte hierfür auch ein Rathaus, eine historische Mühle oder ein anderes markantes örtliches Gebäude verwendet werden können», sagte der stellvertretende Vorsitzende Adrian Maxhuni dem epd. Der Eindruck, die jeweilige Kirchengemeinde unterstütze die Partei oder einzelne Kandidaten, sei nicht beabsichtigt.
Dem hannoverschen Landeskirchenamt der größten evangelischen Landeskirche in Niedersachsen sind laut Sprecherin Rebekka Neander gegenwärtig rund ein halbes Dutzend Fälle bekannt, in denen örtliche Kirchgebäude auf Wahlplakaten der AfD abgebildet worden sind. Laut dem Göttinger Demokratieforscher Alexander Hensel hat es ähnliche Plakate bereits bei Kommunalwahlen in anderen Bundesländern gegeben, allerdings auch eher vereinzelt.
«Entgegen der behördlichen Einstufung als rechtsextremistisch versucht sich die AfD vor Ort als ganz normale Partei darzustellen», erläuterte Hensel. «Bilder von AfD-Kandidaten vor Kirchen und historischen Dorfgebäuden sollen vermitteln, dass die Partei und ihr Personal zum Leben vor Ort dazugehören und dort verwurzelt sind.» Ohne die Kirche politisch offensiv anzugreifen, wie es etwa im Wahlkampf der AfD-Sachsen-Anhalt zu beobachten sei, würden Kirchenvertreter mit diesen Plakaten überdies zu einer öffentlichen Distanzierung gedrängt. Damit verschafften sie der Partei ungewollt zusätzliche Aufmerksamkeit.
Die hannoversche Landeskirche empfiehlt Neander zufolge ihren Kirchengemeinden, sich von der Verwendung kirchlicher Fotomotive durch die AfD zu distanzieren. Ähnlich wie der Kirchenkreis Bramsche haben dies etwa auch die Kirchengemeinden Klein Hehlen und Altencelle in Celle auf ihren Homepages getan. «Was die Menschen aus unserem Stadtteil betrifft, ist mit dem Distanzierungs-Hinweis alles hinreichend zum Ausdruck gebracht, was uns wichtig ist», sagte der Klein Hehlener Pastor Frank Tiss dem epd. Es herrsche darüber hinaus Konsens, dem Ganzen «keine weitere Bühne» mehr geben zu wollen.