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Die reformierte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden sieht die Rede von «wir» und «die» als Gift für die Demokratie. Sie ruft dazu auf, bei den anstehenden Kirchenwahlen bewusst Menschen mit Migrations- oder Armutserfahrung aufzustellen.

Leer-Loga (epd). Die Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche, Susanne Bei der Wieden, warnt vor einer gesellschaftlichen Spaltung durch politische Populisten. Eine bestimmte Partei nutze die Rede von 'wir' und 'die' «perfekt und perfide, um unsere Gesellschaft und unseren Rechtsstaat und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu zersetzen», sagte sie am Sonntag laut Predigttext in einem Gottesdienst in Leer-Loga eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dort liegt die AfD Umfragen zufolge weit vor den anderen Parteien.

Die Unterscheidung von 'wir' und 'die' spalte Familien, Freundeskreise und Nachbarschaften, sagte die Theologin. Sie erzeuge das Gefühl, benachteiligt und ungerecht behandelt zu werden. Aufgezählt würden Gegensätze zwischen Deutschen und Ausländern, Gesunden und Schwachen, Bürgern und Eliten sowie Männern und Frauen. Verdrängt werde dabei «die Suche nach dem Verbindenden und Schützenden und das Recht der Minderheiten». Von solchen politischen Tendenzen müsse sich die Kirche «um der Wahrheit willen» abgrenzen.

Dieses Gift der Spaltung reiche längst bis in die Mitte der Gesellschaft, mahnte Bei der Wieden. Pauschalurteile über Menschen, die «gern blau machen, krank feiern, nicht arbeiten wollen, den Sozialstaat ausnutzen», prägten zu oft Talkshows und politische Reden und diffamierten ganze Bevölkerungsgruppen. Kirche und Gemeinden seien gefragt, solche Verwerfungen mit Empathie und Barmherzigkeit zu überwinden.

Die Kirchenpräsidentin appellierte an die reformierten Kirchengemeinden, die Kirchenvorstandswahlen im kommenden März dafür zu nutzen. Es gehe darum, nicht nur langjährige Kerngemeindemitglieder aufzustellen, sondern auch Empfänger von Hilfsleistungen, Unternehmerinnen oder Christen, «die hier nach Asyl suchen mussten». Als Vorbild nannte sie die frühe Kirche, die Zugewanderte an ihrer Leitung beteiligt habe: «Die haben Gaben und Fähigkeiten, die sie zum Segen und Leben der Gemeinde eintragen.»