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Evangelische Christinnen und Christen feiern die Konfirmation als Schritt ins religiöse Erwachsenenleben. Ähnliche Übergangsriten gibt es auch in anderen Religionen, erläutert der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold.

Hannover (epd). Bei ihrer Konfirmation sagen Jugendliche Ja zum christlichen Glauben - und werden aus evangelischer Sicht erwachsen. «Die Konfirmation ist ein evangelisches Ritual», sagt der Theologe Wolfgang Reinbold. «Vergleichbare Riten des Erwachsenwerdens zwischen Kindheit und Jugend gibt es allerdings auch in vielen anderen Religionen und Gemeinschaften.» Reinbold ist Beauftragter der hannoverschen Landeskirche für den interreligiösen Dialog.

Im Judentum markiert die Bar oder Bat Mizwa den Übergang zum Erwachsenenalter. Häufig findet dafür in der Synagoge eine Zeremonie statt, bei der die Jugendlichen erstmals aus der Thora, der heiligen Schrift, vorlesen und sich verpflichten, die Gebote des Judentums einzuhalten. Die aramäisch-hebräische Wendung Bar Mizwa bedeutet Sohn des Gebots, Bat Mizwa Tochter des Gebots. Mädchen werden häufig am Sabbat nach ihrem 12. Geburtstag in die Gemeinde aufgenommen, Jungen nach ihrem 13. Geburtstag.

Beim sogenannten «Ritual der Heiligen Schnur im Hinduismus bekommen vor allem Jungen eine Schnur umgehängt. Sie gelten dann als zweimal geboren. In Deutschland entstand im 19. Jahrhundert als Alternative zu kirchlichen Feiern die sogenannte Jugendweihe. »Insbesondere in Berlin und in den ostdeutschen Bundesländern ist die nicht-religiöse Jugendfeier oder Jugendweihe sehr verbreitet«, sagt Reinbold. Organisationen wie der Humanistische Verband bereiten die Jugendlichen mit Kursen zu gesellschaftlichen Themen darauf vor, danach feiern sie häufig mit Familie und Freunden.

Der Konfirmation geht immer eine Taufe voraus. In den Anfängen des Christentums wurden in der Regel Erwachsene getauft. Später setzte sich die Kindertaufe durch. »Damit entstand ein theologisches und praktisches Problem: Kinder können sich ja noch nicht zum christlichen Glauben bekennen , sagt Reinbold. Deshalb bekräftigen sie jetzt mit etwa 14 Jahren ihre Taufe. "Das ist auch der Sinn des Wortes Konfirmation: Es kommt vom lateinischen Wort confirmatio, das heißt Bekräftigung , erläutert Reinbold.