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Bis zum Sonntag entscheidet sich, ob die bundesweit größte Klinik für suchtkranke Jugendliche schließen muss. Die Rentenversicherung lehnt jedoch höhere Zahlungen ab. Damit fielen bundesweit die meisten der ohnehin zu wenigen Rehaplätze weg.

Hannover/Oldenburg (epd). Das Land Niedersachsen hofft auf den Erhalt der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik für suchtkranke Kinder und Jugendliche in Ahlhorn bei Oldenburg. Eine Sprecherin des Sozialministeriums betonte jedoch am Mittwoch in Hannover, dass nicht das Land, sondern die Deutsche Rentenversicherung (DRV) in der Verantwortung stehe. Sozialminister Andreas Philippi (SPD) führe derzeit Gespräche mit der Klinik und der Rentenversicherung. Auf Nachfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) lehnte die DRV eine Anhebung des Vergütungssatzes oder die Zahlung von darüber hinausgehenden Zuschüssen ab.

Der Träger der Klinik, das diakonische Leinerstift in Großefehn bei Aurich, hatte die Schließung der Klinik aus finanziellen Gründen zum 30. Juni angekündigt. Dies sei nur abzuwenden, wenn die Rentenversicherung bis zum 10. Mai einlenke und auskömmlich für die Therapieplätze zahle. Laut dem Geschäftsführer des Stifts, Wolfgang Vorwerk, lässt sich die Klinik nach den Standards der Rentenversicherung nicht fachgerecht führen.

Anders als das Sozialministerium sieht die DRV die Entscheidung über Fortbestand oder Schließung der Klinik allein beim Leinerstift. Die Rentenversicherung sei nicht verantwortlich für die wirtschaftliche Führung der Einrichtung, sagte ein Sprecher dem epd. Im April habe es mehrere Gespräche mit der Politik, den Kostenträgern und der Klinik gegeben.

Die Bonhoeffer-Klinik erhalte bereits den bundesweit höchsten Tagessatz aller vergleichbaren Einrichtungen im Bereich der medizinischen Rehabilitation für abhängigkeitskranke Kinder und Jugendliche, erläuterte der Sprecher. «Wir sind bereit, über eine Verlängerung der Fortzahlung des aktuellen Vergütungssatzes zu sprechen, wenn die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik ein überarbeitetes, tragfähiges und wirtschaftliches Konzept vorlegt.» Dafür biete die DRV der Klinik ihre medizinisch-fachliche Unterstützung an. Für höhere Tagessätze fehle jedoch die gesetzliche Grundlage. Im Falle einer Schließung werde die DRV den Patientinnen und Patienten alternative Reha-Plätze anbieten.

Die Ärztevereinigung Marburger Bund warnte auf epd-Anfrage vor einer Schließung. Bundesweit gebe es lediglich 85 bis 97 auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Therapieplätze - darunter die nun bedrohten 60 Plätze in der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik, sagte der Zweite Landesvorsitzende Andreas Hammerschmidt dem epd. Ein Ende der Einrichtung wäre «dramatisch nicht nur für die Einzelnen, sondern auch für die Gesamtgesellschaft». Der Erste Landesvorsitzende und Psychiater Hans Martin Wollenberg betonte: «Alle sollten alles dafür tun, dass diese Behandlungsplätze erhalten bleiben.»

Die Bonhoeffer-Klinik gilt mit ihren bis zu 60 Betten als größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Laut Hammerschmidt gibt es bundesweit rund 200.000 suchtkranke Jugendliche, die von Alkohol, Drogen und Medikamenten abhängig sind.