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Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister kann sich im Grundsatz vorstellen, den Tag des Kriegsendes am 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu machen. «Der 8. Mai 1945 bleibt ein Gedenktag, mit oder ohne staatliche Anerkennung», sagte der evangelische Theologe am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). «Er wird noch Generationen verpflichten, sich alternativlos zum Frieden zu bekennen und jedem expansionistischen Nationalismus zu widerstehen.» Meister ist auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

 

Am 8. Mai vor 75 Jahren endeten mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht die Kriegshandlungen des Zweiten Weltkriegs. Auch wenn es aufgrund der militärischen Niederlage Deutschlands viele Deutungen dieses Tages gebe, sehe er den 8. Mai als Tag der Befreiung, sagte der Theologe. Das Land sei von kriegerischer Gewalt befreit worden, die aus dem deutschen Nationalsozialismus hervorgegangen sei.

 

«Es bleibt unsere Aufgabe, im Pflichtenheft unserer Gesellschaft die Erinnerung an die grauenhaften Folgen von Totalitarismus, Rechtsradikalismus und Gewaltherrschaft festzuhalten», unterstrich Meister. «Es gibt keine Alternative zum Frieden. Er ist unser Auftrag seit 75 Jahren.»

 

Der Bischof erinnerte daran, dass es im Zweiten Weltkrieg bis zum 8. Mai 1945 mehr als 60 Millionen Todesopfer gegeben habe. «Getötet an der Front, ermordet in Konzentrationslagern, verbrannt in Bombennächten, gestorben an Hunger, Kälte und Gewalt als Kriegsgefangene oder auf der Flucht.» In vielen Erinnerungen lebe der Krieg weiter: in den Lücken, die er in die Familien gerissen habe, in längst überwunden geglaubter Angst, die nun zurückkehre, oder in Schuldgefühlen.

 

«Krieg bestimmt über Generationen hinaus das Verhalten einer Familie, prägt die Kultur und formt eine Gesellschaft», betonte Meister. «Die Antworten auf die zwölf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft prägen unser Nachdenken, sie prägen unser Recht, unsere Politik.» Sie bestimmten das Verhältnis Deutschlands zu den anderen Ländern in Europa und der Welt und beeinflussten auch das ethische Bewusstsein und das theologische Denken.