Ethnische und religiöse Gemeinschaften in Syrien werden Menschenrechtlern zufolge auch nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs massiv verfolgt und bedroht. Die Gesellschaft für bedrohte Völker verlangt einen Abschiebestopp für syrische Christen.
Göttingen (epd). Menschenrechtler haben anlässlich des Osterfestes auf eine «prekäre Lage» christlicher Gemeinschaften in Syrien aufmerksam gemacht und Schutz für diese Minderheiten angemahnt.
«Christen in Syrien können ihren Glauben nicht frei ausleben, ohne Angst vor Gewalt und Repressionen zu haben», sagte der Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, Kamal Sido, am Donnerstag in Göttingen. Sie seien systematischer Diskriminierung und gezielten Angriffen durch das islamistische Regime ausgesetzt.
Unter dem neuen Machthaber Ahmed al-Scharaa gebe es keine Glaubensfreiheit in Syrien, fügte Sido hinzu. Christen, Alawiten, Drusen und andere religiöse Minderheiten würden aufgrund ihres Glaubens verfolgt und unterdrückt.
# Kritik an Bundeskanzler Merz
Gleichzeitig kritisierte die Menschenrechtsorganisation den Umgang der Bundesregierung mit dem Regime in Damaskus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe es verpasst, sich bei seinem Treffen mit al-Scharaa für Christen und andere Minderheiten einzusetzen: «Es ist ein Armutszeugnis, dass der Parteivorsitzende der Christdemokraten den islamistischen Machthaber al-Scharaa trifft, ohne auch nur ein Wort über die Angriffe auf Christen in Syrien zu verlieren.» Wenn Merz zu Ostern nun voraussichtlich wieder an christliche Werte erinnere, sei das «mehr als zynisch».
Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert einen Abschiebestopp für Christen, Drusen, Alawiten, Kurden und andere Minderheiten nach Syrien. «Es darf nicht sein, dass Menschen in ein Land abgeschoben werden, in dem sie aufgrund ihrer Religion oder ethnischen Zugehörigkeit verfolgt und bedroht werden», sagte Sido.
# Zahl der Christen in Syrien ist stark zurückgegangen
Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 ist die Zahl der Christen in Syrien nach Angaben der Menschenrechtsorganisation dramatisch gesunken. Vor dem Krieg lebten demnach etwa 1,5 bis 2 Millionen Christen im Land, das entsprach etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Aktuelle Schätzungen für das Jahr 2026 gingen davon aus, dass nur noch etwa 300.000 Christen in Syrien leben.
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Pressemitteilung: https://s.epd.de/3sn5 und www.gfbv.de