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Göttingen (epd). Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeworfen, Ägyptens Staatsführung zu hofieren, um das Land zu mehr Kooperation in Flüchtlings- und Migrationsfragen zu bewegen. «Wenn die Bundeskanzlerin Ägypten für seine angeblich beispielhafte Christen-Politik lobt, dann ist dies ein Schlag ins Gesicht der Kopten», sagte der Afrikareferent der Menschenrechtsorganisation, Ulrich Delius, am Sonntag in Göttingen. «Ägyptens Christen leiden auch unter Staatspräsident Abdel Fatah al Sisi noch immer unter Diskriminierung, Willkür und Straflosigkeit.»

Die Lage der Kopten sei sehr viel schlechter als ihre vermeintlich positive rechtliche Situation erwarten lasse, kritisierte Delius. Statt sich für eine Verbesserung der Lage der Christen einzusetzen, nutze Merkel die Kopten-Frage, um die katastrophale Menschenrechtsbilanz Ägyptens zu beschönigen. In einer am Samstag verbreiteten Video-Botschaft hatte die Bundeskanzlerin die Unterstützung von Ägyptens Regierung für die Kopten gewürdigt und gesagt, die Freiheit zur Religionsausübung für Kopten sei «beispielhaft» für ein muslimisch geprägtes Land. Die Bundeskanzlerin reist am Donnerstag zu einem Besuch nach Ägypten.

Delius kritisierte: «Der jahrelange Streit um ein im September 2016 ratifiziertes Gesetz zur Regelung des Neubaus und der Renovierung von Kirchen zeigt, wie ungleich die Behandlung von Christen und Muslimen in Ägypten ist.» So könne der Neubau von Kirchen auch weiterhin willkürlich von Gouverneuren abgelehnt werden, wenn dadurch der soziale Frieden gestört werden könnte. Im Alltag blieben die meisten Übergriffe auf Kopten strafrechtlich ungesühnt. «Viele Kopten sehen sich daher als rechtlos und Bürger zweiter Klasse an.» Die Kopten stellen Delius zufolge rund 10 Prozent der Bevölkerung Ägyptens.