Sechs kleine Turmfalken warten hungrig auf die nächste Fütterung
86 Meter über dem Oldenburger Lambertimarkt sitzen sechs junge Turmfalken quietschvergnügt im Nistkasten im Turm der Lambertikirche. Vor kaum zwei Wochen sind sie geschlüpft. Mit großen Augen und hungrig aufgesperrten Schnäbeln warten sie auf ihre Eltern, die sie liebevoll mit Mäusen füttern.
Strahlend vor Begeisterung öffnet der Oldenburger Arzt Dr. Johannes Bartner den Nistkasten und nimmt die Jungtiere in Augenschein. 2016 hatte der Internist den Nistkasten im Kirchturm der Lambertikirche eingebaut und bereits im Sommer 2019 gab es erstmals Nachwuchs. Bartner freut sich, dass seine Nisthilfe so gut angenommen wird und nicht wie mancherorts von Dohlen zweckentfremdet wird. Erst vor zwei Wochen hatte er den Nistkasten überprüft und sechs Eier entdeckt. Dass nun alle sechs Jungtiere geschlüpft sind, ist für ihn ein Zeichen, dass es ausreichend Futter (vorwiegend Mäuse) in Oldenburg und Umgebung gibt. Futter finden die Eltern und später die Jungtiere entweder im Schlossgarten oder auf den kaum 1.000 Meter entfernten Wiesen im Umland, so Bartner.
Die Jungtiere werden wohl noch eine Weile zusammen in der Innerstadt zu sehen sein, so Bartner, bevor sie ihr selbständiges Leben beginnen. Eines von ihnen kommt dann vielleicht einmal zum Brüten zurück in den Kirchturm der Lambertikirche.
Der Oldenburger Internist Bartner ist Leiter des Oldenburger Turmfalkenprojekts des Naturschutzbundes (NABU) Oldenburg und seit fast 20 Jahren ehrenamtlich für die Installation der Nisthilfen zuständig. In seiner Freizeit hat er seit 2008 systematisch die Region nach möglichen Aufstellplätzen durchforstet. Hier kommen insbesondere hohe Gebäude und Kirchtürme in Betracht. Die von ihm verwendeten Nistkästen werden in den Heide-Werkstätten e.V., einer anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen in Soltau, gefertigt.
In Stadtgebiet Oldenburg gibt es derzeit 30 Nistkästen für Turmfalken, im ganzen Oldenburger Land rund 260. Mehr als 120 dieser Nistkästen wurden in Kirchtürmen untergebracht. Dazu zählen in Oldenburg unter anderem die Kirchtürme der Versöhnungskirche, der Ohmsteder Kirche, der Kirche St. Ansgar, der Auferstehungskirche, der St.-Johannes-Kirche und der Thomas-Kirche.


