Oberkirchenrätin Gudrun Mawick: Liebe stärker ist als Hass und das Leben stärker als der Tod
Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben viele Menschen in Neustadtgödens mit einem solidarischen Gebet ihre Unterstützung für die queere Community gezeigt. Für Montagabend, 27. Juli, hatten der CSD Wilhelmshaven, die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Gödens, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg und das Rogate-Kloster St. Michael gemeinsam zu einem Gedenkgottesdienst eingeladen.
Zahlreiche Menschen gedachten der Opfer zu gedenken und beteten für sie Solidarität mit der queeren Community zu setzen. Bruder Franziskus, Oberkirchenrätin Gudrun Mawick (Ev. -Luth. Kirche in Oldenburg), Hanna Naber (Präsidentin des Niedersächsischen Landtages) und Anke Hieronymus (Projektleitung CSD-WHV/Vielfalt Wilhelmshaven) machten deutlich, wie wichtig Zusammenhalt und eine klare Haltung gegen Hass und Ausgrenzung seien.
Oberkirchenrätin Gudrun Mawick betonte im Gedenkgottesdienst: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei dem Todesopfer, bei den Verletzten, ihren Angehörigen und Freundinnen und Freunden sowie bei allen, die Zeuginnen und Zeugen dieses Anschlags wurden. Wir tragen ihre Trauer, ihre Erschütterung und ihre Angst mit in dieses Gebet.“
Nach diesem Anschlag gelte mehr denn je: Niemand soll aus Angst um sein Leben oder seine Würde auf Sichtbarkeit, Freiheit oder Zugehörigkeit verzichten müssen, so Mawick.
„Als Christinnen und Christen widersprechen wir jeder Form von Hass und Gewalt. Wer Gewalt im Namen Gottes oder der Religion rechtfertigt, verkennt Gottes Wesen. Gott ist kein Gott des Hasses, sondern der Liebe, des Friedens und der Menschenwürde. Jeder Mensch ist nach Gottes Bild geschaffen und unendlich wertvoll.
Dieser Anschlag richtet sich nicht nur gegen die Menschen, die beim Christopher Street Day zusammengekommen sind. Er trifft die Grundlagen unseres Zusammenlebens: Freiheit, Vielfalt, Respekt und die Überzeugung, dass jeder Mensch ohne Angst leben und lieben können soll.
Allen, die sich heute verunsichert fühlen, besonders unseren queeren Geschwistern, sagen wir: Ihr seid nicht allein. Wir stehen an eurer Seite. Wir beten mit euch und für euch. Möge Gott den Trauernden Trost schenken, die Verletzten heilen, die Verängstigten stärken und unsere Herzen festmachen in der Hoffnung, dass Liebe stärker ist als Hass und das Leben stärker als der Tod“, sagte Oberkirchenrätin Mawick in Neustadtgödens.
Zeichen gegen Hass und Gewalt
„Wir wollen damit ein Zeichen setzen: gegen Hass und Gewalt, für Menschenwürde, Respekt und ein friedliches Zusammenleben“, sagte Bruder Franziskus im Vorfeld der Andacht. Viele queere Menschen erlebten Verunsicherung und Angst. Das Gebet sollte den Zusammenhalt stärken: „Ihr seid nicht allein. Wir stehen an eurer Seite!“
Zugleich richtete sich die Einladung an alle Menschen. Wer queere Freundinnen, Freunde oder Angehörige habe, sei eingeladen, ihnen in diesen Tagen bewusst zuzuhören, nachzufragen, was sie brauchen, und ihnen zu zeigen, dass sie sich auf ihre Mitmenschen verlassen können. Gerade an schweren Tagen zeige sich, was Gemeinschaft bedeutet: füreinander einzustehen, aufeinander zu achten und Menschen, die Angst haben, Schutz, Nähe und Hoffnung zu schenken, so Bruder Franziskus.
Bei dem Anschlag in Berlin wurden nach Polizeiangaben am Samstagabend gegen 22 Uhr im Berliner Tiergarten mehrere Menschen durch ein fahrendes Fahrzeug und mehrere Personen durch Stichwerkzeuge verletzt. Ein Mensch sei dabei uns Leben gekommen, 29 weitere seien verletzt worden – teils schwer. Zuvor hatten beim CSD Hunderttausende für Menschenrechte und Vielfalt demonstriert. Die Veranstaltung wurde nach dem Vorfall abgebrochen.


