Der jüdische Verbandspräsident Michael Fürst aus Niedersachsen hat die höchste Auszeichnung seines Bundeslandes erhalten. Fürst habe sich jahrzehntelang für Erinnerungskultur und Versöhnung eingesetzt, hieß es.
Hannover (epd). Der langjährige Präsident des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst (79), ist mit der Landesmedaille seines Bundeslandes geehrt worden. Fürst sei aufgrund seiner Familiengeschichte die treibende Kraft einer zukunftsorientierten Erinnerungskultur, sagte Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) bei einer Feierstunde am Freitag in Hannover. Fürst steht seit 1980 an der Spitze des Landesverbandes. Seit 2007 ist er zudem Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover.
Fürst trete für Aufklärung, Integration und Toleranz ein und sei ein «Brückenbauer über Religionen hinweg», betonte Lies. Er wende sich zugleich klar gegen Antisemitismus, Rassismus, Hass und Hetze. Der Jurist habe sich in den vergangenen Jahrzehnten für eine glaubwürdige Erinnerungskultur zur Verfolgung und Ermordung der Juden im Nationalsozialismus eingesetzt. Zugleich habe er sich Verdienste um die Verständigung von Juden und Nichtjuden sowie um die Wiederbelebung jüdischen Lebens nach dem Holocaust erworben. Sein Engagement habe in Niedersachsen maßgeblich zur Stärkung von Demokratie und Rechtsstaat beigetragen
Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) ergänzte, Fürst präge seit langem das gesellschaftliche Leben in Niedersachsen mit klarem Kompass, großer Beharrlichkeit und außergewöhnlichem Engagement. «Mit großer Überzeugung setzt er sich für jüdisches Leben, für Verständigung, den interreligiösen Dialog und gegen Antisemitismus ein.» Besonders beeindruckend sei sein Einsatz für die Erinnerungskultur und die Bildungsarbeit.
Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Sebastian Lechner, sagte, Michael Fürst habe die Auszeichnung mehr als verdient. «Seit Jahrzehnten ist sein Name untrennbar mit jüdischem Leben in Niedersachsen verbunden.» Wer Michael Fürst kenne, der wisse: «Er ist keiner, der sich mit bequemen Antworten zufriedengibt. Er spricht Klartext, wenn Klartext notwendig ist, und mischt sich ein, wenn andere lieber schweigen würden.» Seine Stimme habe Gewicht.
Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen vertritt zwölf Gemeinden mit zusammen rund 6.200 Mitgliedern. Zudem gibt es im Land weitere sechs liberal ausgerichtete Gemeinden mit rund 1.200 Mitgliedern, die sich in einem eigenen Landesverband zusammengeschlossen haben, sowie eine unabhängige orthodoxe Gemeinschaft in Hannover.