Die Zahl der Schutzsuchenden in Niedersachsen bewegt sich auf hohem Niveau. In den kommenden sechs Monaten müssen weitere Neuankömmlinge auf die Kommunen verteilt werden. Unsicher bleibt, wie sich die Konflikte im Nahen Osten auswirken.
Hannover (epd). Das niedersächsische Innenministerium rechnet in den kommenden sechs Monaten mit rund 7.000 Flüchtlingen, die auf die Kommunen verteilt werden sollen. Die Kommunen seien über die neu festgelegten Verteilkontingente informiert worden, damit sie besser planen können, teilte Innenministerin Daniela Behrens (SPD) am Donnerstag in Hannover mit.
Die Zahlen seien jedoch nur Prognosen, betonte Behrens: «Niemand kann heute verlässlich vorhersagen, inwieweit insbesondere der Krieg gegen den Iran zu neuen Migrationsbewegungen führen wird.» Deshalb sei es wichtig, dass die Erstaufnahmeeinrichtungen gut aufgestellt sind. Ziel sei es, die Kommunen zu entlasten. Außerdem hoffe sie, dass mit dem neuen «Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS)» die Migration in der EU besser gesteuert und Schutzsuchende fairer verteilt werden, ergänzte die Ministerin.
# Knapp 350.000 Schutzsuchende in Niedersachsen
In den vergangenen zwei Jahren sind Behrens zufolge die Zahlen der neu nach Niedersachsen kommenden Asylsuchenden zurückgegangen: Hatten 2024 noch rund 18.700 Menschen in Niedersachsen Schutz gesucht, waren es im vergangenen Jahr noch etwa 9.800 Personen. Gründe dafür seien eine Kombination aus europaweit verstärkten Grenzkontrollen, Kooperationen mit Herkunfts- und Transitstaaten sowie einer restriktiveren Asylpolitik.
Die Gesamtzahl der Schutzsuchenden in Niedersachsen bewegt sich auf hohem Niveau. Zum Stichtag 31. Dezember 2024 waren nach Angaben des Landesamts für Statistik 345.415 Ausländer als schutzsuchend registriert, 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zehn Jahre zuvor waren es noch 76.005.
Die weltpolitische Lage werde genau beobachtet, sagte Behrens. «Bisher haben die Konflikte im Nahen Osten nicht zu verstärkten Fluchtbewegungen nach Europa geführt. Die Lage ist aber ähnlich wie in der Ukraine schwer abzuschätzen.»
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