Dürre und Klimawandel setzen Niedersachsens Wasserreserven unter Druck. Flüsse führen immer weniger Wasser, das Grundwasser sinkt. Gleichzeitig steigt der Bedarf in der Landwirtschaft, die die Felder beregnen muss.
Hannover (epd). Niedersachsens Gewässer verzeichnen dramatisch sinkende Wasserstände. In den vergangenen 55 Jahren seien die Niedrigwasserabflüsse in Flüssen wie Aller, Leine und Hunte im Schnitt um 30 Prozent zurückgegangen, teilte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Mittwoch mit. «Unser Umgang mit dem Wasser und auch der Wert, den wir dieser Ressource zuweisen, müssen sich verändern», betonte Pressesprecher Carsten Lippe.
Besonders angespannt sei die Lage beim Grundwasser, berichtete NLWKN-Sprecher: An 83 der 161 Messstellen wurden sehr niedrige Stände gemessen, an neun sogar neue Tiefstwerte. «Die Grundwasserstände reagieren empfindlich auf die Niederschlagsdefizite der vergangenen Monate», erläuterte Lippe. Zwischen November 2024 und Oktober 2025 sei rund ein Fünftel weniger Regen gefallen als im langjährigen Mittel. Auch am Steinhuder Meer, dem neuntgrößten Binnensee Deutschlands, ließe sich die Wasserknappheit beobachten. Dort sei der Wasserstand allein seit März dieses Jahres um 25 Zentimeter gefallen - ein Verlust von sieben Millionen Kubikmetern Wasser allein durch Verdunstung.
Ohne wirksamen Klimaschutz könnten die Niedrigwasserabflüsse in Teilen Niedersachsens bis Ende des Jahrhunderts um weitere 40 bis 60 Prozent sinken, warnte Lippe. Besonders betroffen wären die Regionen Aller, Leine und Vechte. Die Landesregierung habe mit dem «Masterplan Wasser» erste Maßnahmen für einen klimaresilienten Umgang mit der Ressource vorgelegt.
Die Trinkwasserversorgung ist Lippe zufolge derzeit dennoch nicht gefährdet. Die Harzwasserwerke überwachten die fünf großen Talsperren im Westharz engmaschig. Allerdings fehlten seit Januar 2025 rund 600 Millimeter Niederschlag im Einzugsgebiet der Okertalsperre. In den vergangenen Jahren sei es in Einzelfällen zu Problemen bei der Wasserversorgung gekommen. Dies sei jedoch weniger auf Wassermangel, sondern überwiegend auf einen erhöhten Bedarf bei einer gleichzeitig begrenzten Leistungsfähigkeit des Versorgungssystems zurückzuführen.
Ein erheblicher Faktor für die Wasserknappheit sei der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft, sagte Lippe. Insbesondere für die Feldberegnung würden große Mengen an Grundwasser benötigt. Angesichts des Klimawandels sei damit zu rechnen, dass Landwirte diese Methode in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich häufiger anwenden müssten.
Niedersachsen ist Lippe zufolge bundesweit das Land mit der größten beregneten Fläche. Derzeit werden jährlich rund 250 Millionen Kubikmeter Grundwasser auf die Felder gebracht - hauptsächlich in der Region Weser-Ems und im Nordosten des Landes. Die Beregnung diene dazu Erträge zu sichern, Missernten zu verhindern und die Qualität von Kulturpflanzen bei Trockenheit zu erhalten, führte der NLWKN-Sprecher aus. Sie sei wegen der leichten Böden mit geringem Wasserhaltevermögen seit Jahrzehnten unverzichtbar.