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Migration, feministische Selbstbehauptung und mediale Macht stehen im Zentrum der multidiziplinären Arbeiten von Leyla Yenirce. Das Oldenburger Landesmuseum würdigt die Künstlerin mit einer Einzelausstellung.

Oldenburg (epd). Das Oldenburger Landesmuseum Kunst und Kultur eröffnet am Freitagabend die erste museale Einzelausstellung der multidisziplinären Künstlerin Leyla Yenirce. Mit ihrer Ausstellung «Werdegang» kehre sie zurück in die Stadt, in der sie als Kind jesidischer Flüchtlinge ihr erstes Zuhause in Deutschland fand, teilte das Museum am Donnerstag mit. Die Schau endet am 23. August.

In Installationen, Gemälden und Videowelten verbinde die 1992 im türkischen Qubine geborene Künstlerin globale Themen wie Migration, feministische Selbstbehauptung und mediale Machtstrukturen mit persönlichen Erinnerungen an konkrete Orte, Stimmen und Begegnungen. So habe sie etwa Ernst Ludwig Kirchners (1880-1938) Gemälde «Der Wanderzirkus» und jugendlich wirkende Wandzeichnungen gleichwertig nebeneinander inszeniert, hieß es.

Im Zentrum ihrer Malereien stehen den Angaben zufolge Frauen, die Yenirces Entwicklung geprägt haben. Die Frauen aus Kunst und Literatur, Bildung und Politik tauchten als Siebdruck in großflächigen Ölmalereien am Mikrofon sprechend, singend und applaudierend auf.

In der aus diesem Jahr stammenden Videoarbeit «Spotlight» richte die heute in Berlin lebende Künstlerin ihren Blick auf Oldenburg, hieß es weiter. Für die Arbeit habe sie ihren Bruder durch die dunklen Straßen der Stadt rennen lassen. Seine Stirnleuchte werfe nur einen kleinen Lichtpunkt, der keine klare Orientierung biete, aber immer in Bewegung bleibe.

Museumsdirektorin Anna Heinze zufolge gehört Yenirce «zu den eindrücklichsten und klügsten Stimmen ihrer Generation». In ihren Arbeiten verbänden sich persönliche Geschichte und globale politische Fragen: «Ihre Arbeiten machen sichtbar, wie sehr Herkunft, Migration und Erinnerung unsere Gegenwart prägen - und wie daraus neue Bilder von Stärke und Selbstbehauptung entstehen können.»

Leyla Yenirce studierte «Kultur der Metropole» und Bildende Kunst in Hamburg. Anschließend entwickelte sie eine multidisziplinäre Praxis, die Film, Sound, Installation, Malerei und Performance verbindet. Ihre Arbeiten sind unter anderem im Museum of Modern Art in Luxemburg, im Detroit Institute of Arts Museum (Michigan, USA), im Kunstmuseum Magdeburg und dem Kistefos Museum im norwegischen Jevnaker zu sehen.