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Sieben Wochen nach der Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik hat sich der Petitionsausschuss des niedersächsischen Landtages mit der Versorgung suchtkranker Minderjähriger beschäftigt. Die Debatte verlief emotional und endete vorerst ohne Votum.

Hannover (epd). Nach der Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn bei Oldenburg hat sich der niedersächsische Landtag am Mittwoch mit der Situation suchtkranker Minderjähriger beschäftigt. Anlass war eine von mehr als 5.000 Menschen unterzeichnete Petition der Cellerin Julia Drüphake. Die Versorgungslage sei landes- und bundesweit so schlecht, dass Betroffene selbst in Akutsituation keine Hilfe fänden und von Kliniken abgelehnt würden, sagte die Mutter einer suchtkranken Tochter in einem emotionalen Appell vor dem Petitionsausschuss. «Das bedeutet, dass unsere Kinder weiter konsumieren und sterben werden.»

Die bundesweit größte Fachklinik für suchtkranke Jugendliche mit Drogenabhängigkeit und psychischer Erkrankungen hatte am 1. Juli nach 46 Jahren aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb eingestellt. An dem Standort gibt es nun nur noch ein reduziertes Angebot mit Wohngruppen ohne medizinische Betreuung.

In ihrer bereits im April gestarteten Petition fordern Drüphake und ihre Unterstützer den Erhalt der Klinik und eine bedarfsgerechte Versorgung suchtkranker Kinder und Jugendlicher im Land insgesamt. Das sei auch deshalb wichtig, weil immer mehr junge Menschen süchtig seien und der Konsum von stark süchtig machenden Drogen, wie Opioiden, steige. Drüphake bezifferte die Zahl junger Suchtkranker auf 200.000 bundesweit.

Unterstützt wurde die Petentin unter anderem von der «Bundesarbeitsgemeinschaft Elternstimme in Prävention und Suchthilfe» mit Sitz in Bonn. Deren Vorsitzende, Christiane Erbel, betonte, dass die unzureichende Versorgung junger Suchtkranker alle Bundesländer betreffe. Neben der enormen Versorgungslücke und Wartezeiten von bis zu einem Jahr auf einen Therapieplatz sei ein weiteres Problem, dass es keine «klar definierten Versorgungspfade» gebe - von der Suchtberatung über die Entgiftung bis zu Rehaplätzen und Nachsorge-Angeboten.

Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik hatte mit ihrem ganzheitlichen Angebot in den Monaten vor ihrer Schließung viel Unterstützung von Fachleuten erfahren. Unter anderem hatten sich der renommierte Hamburger Jugendpsychiater und Suchtexperte Rainer Thomasius sowie Bundesdrogenexperte Hendrik Streeck (CDU) für den Erhalt der Klinik eingesetzt.

Auf die Frage eines Mitglieds des Sozialausschusses, ob es denkbar sei, die Dietrich Bonhoeffer Klinik in ihrer ursprünglichen Form wiederzueröffnen, sagte Wolfgang Vorwerk, Geschäftsführer des Leinerstifts als Betreiber der Klinik, dass ein «Aufleben» vielleicht wieder denkbar sei. Vorwerk betonte aber auch, dass gerade medizinisches Personal und Ärzte sich bereits neue Tätigkeiten gesucht hätten.

Uneinigkeit gab es bei der Anhörung darüber, ob die Versorgungslage für suchtkranke Minderjährige tatsächlich unzureichend ist, wie viele Reha-Plätze nach einer Entgiftung bundesweit konkret bereitstehen und wie lang die Wartezeiten für Betroffene sind. Das diakonische Leinerstift spricht von 85 Plätzen, von denen mit der Schließung der Klinik in Ahlhorn 60 weggefallen seien. Die Deutsche Rentenversicherung gibt dagegen 450 Plätze an.

Das Land habe keinen Anlass an den Angaben der Rentenversicherung zu zweifeln, sagte Katrin Harms vom niedersächsischen Sozialministerium. Sie gehe deshalb davon aus, dass eine bedarfsgerechte Versorgung sichergestellt sei. Die Anhörung endete am Mittwoch ohne klares Votum an die Politik. Der Vorsitzende des Petitionsausschusses, Rüdiger Kauroff, kündigte an, dass die öffentliche Petition erneut auf die Tagesordnung gesetzt werde.