Bewegende Gottesdienste am Weltgebetstag im Oldenburger Land
Am 6. März ging ein Gebet geht um die Welt, denn es war – wie jedes Jahr am ersten Freitag im März – wieder Weltgebetstag (WGT). 24 Stunden lang kamen Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche in mehr als 150 Ländern zusammen, um gemeinsam zu beten. Im Oldenburger Land gab es rund 50 Gottesdienste, so auch in Hude, Metjendorf und Varel.
Jedes Jahr planen Frauen in einem anderen Land das Motto und erarbeiten die Liturgie, die dann an diesem Freitag weltweit einheitlich gefeiert wird. Gebete, Lieder und persönliche Geschichten von Frauen stehen dabei im Mittelpunkt. Seit 1927, also seit fast 100 Jahren, engagieren sich christliche Frauen konfessions- und länderübergreifend für Frieden, Gerechtigkeit und Würde anderer Frauen rund um den Globus. Ihre Vision: ein selbstbestimmtes Leben für alle Frauen auf der Welt. So entstand die größte Basisbewegung christlicher Frauen weltweit.
Die Liturgie für den Weltgebetstag 2026 haben Frauen verschiedener Kirchen und Konfessionen aus Nigeria erarbeitet. Der WGT 2026 stand unter dem Motto „Kommt! Bringt eure Last.“ (angelehnt an Matthäus 11,28-30). Dabei ging es den nigerianischen Frauen um das Teilen der Lasten, um das Finden von Ruhe und um das Schöpfen neuer Kraft im Glauben und der Gemeinschaft.
Nigeria – ein großes Land mit vielen verschiedenen Ethnien
230 Mio. Menschen leben in Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Nur drei Prozent davon sind über 65 Jahre alt. Das Land, das in den muslimisch geprägten Norden und den christlichen Süden aufgeteilt ist, vereint 250 Ethnien mit mehr als 500 Sprachen und Dialekten. Die drei größten Ethnien sind Yoruba, Igbo und Hausa. Nigeria ist reich an Öl, auf dem der wirtschaftliche Fokus liegt. Neu ist die boomende Film- und Musikindustrie als Wirtschaftszweig. Reichtum und Macht sind sehr ungleich verteilt.
Nigerianische Frauen tragen viele Lasten – körperlich und seelisch. Wasser und Feuerholz tragen sie auf dem Kopf. Die Wege sind oft sehr weit. Gewalt begleitet diese Frauen häufig im Alltag. Sie haben die Verantwortung für Kinder und die häusliche Versorgung. In der Gesellschaft haben sie meist keinen eigenen Platz und kämpfen gegen Armut und sexuelle Gewalt. All diese Lasten spiegeln sich im Titelbild des diesjährigen Weltgebetstags wider.
Tiefer Glaube und Lebensfreude
Der tiefe Glaube der Nigerianerinnen sei in der Liturgie zu spüren, da waren sich die Organisatorinnen in den Gemeinden Hude, Metjendorf und Varel einig. Trotz der vielen Lasten im täglichen Leben würden die Frauen Hoffnung ausstrahlen. „Lassen wir uns anstecken von ihrer Lebensfreude und ihrem Mut“, fasste es Ulrike Burkardt, Pastorin der Ev.-luth. Kirchengemeinde Varel, zu Beginn des Gottesdienstes in Worte. Mit Trommelklängen, Klaviermusik und Gesang brachten alle drei besuchten Gemeinden ein Stück nigerianisches Leben ins Oldenburger Land und die Gemeindesäle.
Mit Liedern auf die Reise mitgenommen werden
Vom Krafttanken, vom Ausruhen und der Geborgenheit bei Gott handeln die Lieder der nigerianischen Frauen, deren Alltag von Ängsten, Sorgen und Gewalt geprägt ist. Welche Rolle der Gesang und die Musik für sie spielen, zeigte sich in allen drei besuchten Gottesdiensten. Gesang, Klavier, Querflöte und natürlich afrikanische Trommeln erfüllten die Gemeindesäle und nahmen die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher auf die Reise nach Nigeria mit. In Hude sorgte der von der Elfenbeinküste stammende und in Oldenburg lebende Musiker Leo Delest durch Trommelklänge auf einer Djembé bereits am Nachmittag für afrikanisches Flair. In Varel begrüßten um Freitagnachmittag sieben Trommlerinnen und Trommler die Gemeinde und auch abends im Metjendorfer Gemeindehaus waren afrikanische Trommeln zu hören.
Vom Ablegen und Teilen der Lasten
Mit Liedern und Gebeten legen die nigerianischen Frauen ihre Lasten in Gottes Hände. In Varel legten die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher symbolisch ihre Lasten in Form eines weißen Steins, den sie eingangs bekommen hatten, in Kisten im Altarraum ab. Dafür erhielten sie einen Schmetterling, der nicht nur die Leichtigkeit nach dem Teilen der Lasten verdeutlicht, sondern auch für die Artenvielfalt in Nigeria steht.
Nachdenklich stimmten die Geschichten der drei nigerianischen Frauen, in denen es um religiöse Verfolgung, um gesellschaftliche Unterdrückung und um Armut und Verzweiflung geht. „Wir haben viel über das Leben und die Lasten der Frauen in Nigeria erfahren und im Gottesdienst weitergeben können“, betont Julianna Grätz, eine der Organisatorinnen in Hude. „Jedes Jahr lernen wir etwas Neues über das Leben und den Glauben von Frauen in anderen Ländern“, berichtet Marion Borsum, die bereits seit 40 Jahren zum Huder WGT-Team gehört. Dass genau das den Weltgebetstag ausmache, darin sind sich alle Organisatorinnen in den verschiedenen Gemeinden einig.
Überall anders
Trotz gleicher Liturgie und viel Gesang war jeder der drei Gottesdienste anders. In Hude startete das WGT-Team bereits um 15 Uhr und lud zum anschließenden Austausch bei Kaffee und Kuchen an liebevoll dekorierten Kaffeetafeln ein. Im Vareler Gemeindehaus wurden im Anschluss an den Gottesdienst schnell Tische und Stühle gerückt, während es aus der angrenzenden Küche einladend nach fremden Speisen und Gewürzen duftete. Hier waren die rund 60 Gottesdienstbesucherinnen und -besucher herzlich zum gemeinsamen Essen willkommen. Auch in Metjendorf stand nach dem Gottesdienst ein Buffet mit landesspezifischen Köstlichkeiten bereit. In das Leben der nigerianischen Frauen und die Besonderheiten des Landes führte das WGT-Team schon vor dem Gottesdienst ein. Dass es wieder eine wunderbare Veranstaltung war, darin waren sich Teilnehmende sowie Organisierende in allen Gemeinden einig. Und auch die gute ökumenische Zusammenarbeit wurde am Ende aller drei Gottesdienste dankend hervorgehoben.
Kollekte 2026
In nigerianischen Kirchen drücken die Frauen ihre Freude am Geben tanzend aus. Musik und Tanz waren auch beim Einsammeln der Kollekte wichtig. In Metjendorf brachten die Gemeindeglieder ihre Gaben fröhlich tanzend in den Altarraum.
Die diesjährige Kollekte fließt in zwei ausgewählte Projekte, die Armut bekämpfen und Solidarität unter Frauen schaffen sollen:
Bei dem ersten geht es um Ernährungssicherheit für Kleinbäuerinnen in Nigeria. Die 2011 gegründete Women & Youth Empowerment and Health Initiative (kurz: WYEAHI) unterstützt Kleinbäuerinnen dabei, ihr Land nach der Beilegung der Konflikte in der Region wieder zu bewirtschaften und sich damit eine Existenz aufzubauen. Insbesondere Alleinerziehende und Frauen mit einer Behinderung stehen dabei im Fokus. Sie erhalten Werkzeuge, Saatgut sowie Dünger und bekommen landwirtschaftliche Kenntnisse vermittelt.
Das zweite Projekt will pflegende Mapuche-Frauen in Chile unterstützen. Die Frauen dieser indigenen Gruppe leben in Armut, leiden oft unter häuslicher Gewalt und psychischen Erkrankungen und tragen die Last der Krankenversorgung. Die Organisation SEDEC ist Teil der Sozialarbeit der Methodistischen Kirche von Chile. Sie fördert die individuelle Resilienz und das kulturelle Bewusstsein dieser Frauen und schafft Aufmerksamkeit.
WGT 2027
Auch im nächsten Jahr wird der Weltgebetstag wieder am ersten Freitag im März weltweit gefeiert. Allerdings übernimmt die Planungen 2027 das Internationale Weltgebetstagskomitee unter dem Motto „United in Prayer for Justice and Peace“, denn der WGT feiert 100-jähriges Jubiläum.
Wer den Weltgebetstag nachschauen möchte, kann dies tun bei BibelTV:
Weitere Infos unter https://weltgebetstag.de/
Ein Beitrag von Daniela Conrady.







