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Betriebe klagen zum Start der Ausbildung im August über die mangelhaften Leistungen der Schulabgänger. Deswegen blieben zahlreiche Stellen unbesetzt. Schulleiter Matthias Aschern findet, erfolgreiche Betriebe passen sich an.

Hannover (epd). Der Schulleitungsverband Niedersachsen hält die Klage der Betriebe über die mangelnde Ausbildungsreife vieler Bewerberinnen und Bewerber zum Großteil für berechtigt, aber wenig überraschend. Bereits seit 20 Jahren belegten Studien, dass das Bildungssystem gemessen an den fachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler die Erwartungen nicht erfülle, sagte der Vorsitzende Matthias Aschern in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Im Vergleich zu anderen Ländern, die im Bildungsranking weiter vorne lägen, investiere Deutschland deutlich weniger in die Bildung, sagte der Leiter der Integrierten Gesamtschule Roderbruch in Hannover. «Das Bildungssystem wurde jahrzehntelang kaputtgespart.»

Zum Ausbildungsstart Anfang August hatten Betriebe noch zahlreiche unbesetzte Stellen gemeldet. Einer der Gründe ist laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer ein Mangel an Grundkompetenzen und an Belastbarkeit von Schulabgängern.

Das Lamento ziehe sich durch die gesamte Laufbahn von der Kita bis zur Hochschule, betonte Aschern: «So lange ich denken kann, sind Universitäten und Ausbildungsbetriebe nicht zufrieden mit den Kompetenzen der Schulabgänger, weiterführende Schulen nicht mit denen der Fünftklässler und Grundschulen nicht mit denen der Kita-Kinder.»

Bildungseinrichtungen und auch manche Betriebe passten deshalb längst ihre Angebote an, etwa mit neuen Qualifizierungs-, Nachhilfe- oder Mentorenprogrammen, sagte der Pädagoge. Das halte er für den richtigen Weg. Betriebe müssten lernfähig bleiben und den künftigen Azubis attraktive Angebote machen.

Zweifel an der Leistungsbereitschaft der jungen Generation, die zu sehr auf ihre Work-Life-Balance bedacht sei, halte er dagegen für nicht zielführend. Kein Mensch arbeite fleißiger oder intensiver, nur weil der Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beklage, dass die Arbeitsmoral nicht ausreiche. Das Problem sei vielmehr ein bereits seit den 1980er Jahren sich verstärkender Trend zur Individualisierung, der die gesamte Gesellschaft betreffe. Genau wie die Schulen müssten sich auch die Betriebe darin üben, Gemeinschaft zu stiften und kooperative Problemlösungen zu fördern, um diesem Trend etwas entgegenzusetzen.

Die zahlenmäßig sehr kleinen Generationen Z und Alpha hätten jetzt die Marktmacht, die Belastbarkeit erstmals zum Thema zu machen und ihre Bedürfnisse etwa gegenüber den Arbeitgebern zu formulieren, sagte Aschern. «Auch die Boomer haben sich vielleicht mit mancher Aufgabe überlastet gefühlt, aber aus Angst vor dem Jobverlust die Zähne zusammengebissen.»