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Den Menschen hinter der Seefahrt ein Gesicht geben

Wo sonst Kutter ein- und auslaufen, stand am Sonntag, 13. September, in Fedderwardersiel die Welt der Seeleute im Mittelpunkt: Im Restaurant Nordseeblick direkt am Hafen von Fedderwardersiel hatten Pfarrerin Susanne Stephan und Seemannspastor Dirk Jährig aus Brake zu einem besonderen Seemannsgottesdienst eingeladen. Zahlreiche Gemeindemitglieder waren gekommen, um gemeinsam über die Herausforderungen und die Bedeutung der Seefahrt nachzudenken.

Für Pfarrerin Stephan ist das Thema eng mit der Lebenswirklichkeit an der Küste verbunden: "Seeleute haben vielfache Probleme, die sie bewegen. Auf hoher See, bei Stürmen, bei Unwetter, mit Piraten, in gefährlichen Situationen, Kriegs- und Krisengebieten. Wir wissen alle, die Straße von Hormus ist noch immer umkämpft. Und da ist es wichtig, dass wir uns das einfach auch mal vor Augen führen."

Mit jedem Boot verschwindet auch Wissen und Erfahrung
Nicht nur die großen internationalen Schifffahrtswege bereiten Sorgen. Auch die traditionelle Netzfischerei in der Region stehe nach Einschätzung der Pfarrerin unter zunehmendem Druck. Fischereibetriebe stünden vor großen Herausforderungen. Immer häufiger stelle sich die Frage, ob sich der Traditionsberuf wirtschaftlich überhaupt noch lohne. Dabei gehe es um weit mehr als um einzelne Boote und Arbeitsplätze: „Mit jedem Boot, das nicht mehr rausfährt, verschwindet auch Wissen und Erfahrung“, betonte Stephan. Die Fischerei und die Seefahrt seien Teil der Geschichte und Identität der Küstenregion. Gleichzeitig gerate die Bedeutung der Schifffahrt im Alltag vieler Menschen zunehmend aus dem Blick.

Unsichtbare Arbeit auf den Containerschiffen
Wie abhängig die Gesellschaft von der weltweiten Schifffahrt ist, werde häufig erst deutlich, wenn Lieferketten ins Stocken gerieten. Ein großer Teil der Waren, die im Alltag selbstverständlich zur Verfügung stehen, werde über die Weltmeere transportiert. Die Menschen hinter der Arbeit blieben jedoch meist unsichtbar. „Seeleute werden ja nie gesehen“, so Seemannspastor Dirk Jährig. Die Menschen fragten sich nur selten, wie viele Personen an Bord arbeiten, was die Schiffe eigentlich transportieren und unter welchen Bedingungen die Menschen an Bord arbeiten. Häufig seien nur etwa 20 Seeleute auf den Containerschiffen beschäftigt. Sie arbeiten im Schichtsystem – eine Tätigkeit, die körperlich und psychisch belastend sein könne. Hinzu kämen lange Aufenthalte fernab der Heimat und Familie. Genau hier setze die Arbeit der Seemannsmission an.

Ein Stück Menschlichkeit im Hafen
Die Mitarbeitenden der Seemannsmission gehen direkt an Bord der Schiffe, suchen Gespräche mit den Seeleuten und versuchen, ihnen ein Stück Aufmerksamkeit und Menschlichkeit entgegenzubringen. Der Hafen brauche ein Gesicht, sagte Jährig. Die Seeleute sollten spüren, dass ihre Arbeit und vor allem auch sie selbst gesehen werden. „Es geht vor allem um das Wohl und die Würde“, machte der Seemannspastor deutlich.

In Brake ist der Seemannsclub Pier One deshalb ein wichtiger Anlaufpunkt. Der Club versteht sich als eine Art „Wohnzimmer auf Zeit“ für Seeleute aus aller Welt. An sechs Tagen der Woche von 17 bis 22 Uhr können die Menschen dort Zeit verbringen und Kontakt zu ihren Familien aufnehmen. Denn an Bord gebe es oft kein Internet und damit auch keine Möglichkeit, mit den Liebsten zu Hause in Kontakt zu bleiben.

Für die Arbeit im Club oder auch in der Seemannsmission werden derzeit weitere ehrenamtliche Unterstützer*innen gesucht. Wer sich engagieren möchte, kann sich direkt an das Team der Seemannsmission in Brake wenden. Zum Team gehören Seemannspastor Dirk Jährig, Seemannsdiakonin Antje Zeller und Seemanns-Betreuer Michael Jeevarathinam.

Kontakt zur Seemannsmission in Brake: 
Telefon: 04401 855425
E-Mail: brake@seeemannsmission.org 

Ein Beitrag von Meral van Loo.
 

Zu sehen sind Pfarrerin Susanne Stephan (rechts) und Seemannspastor Dirk Jährig aus Brake (links) beim Seemannsgottesdienst im Restaurant Nordseeblick direkt am Hafen von Fedderwardersiel.
Im Restaurant Nordseeblick direkt am Hafen von Fedderwardersiel hatten Pfarrerin Susanne Stephan (rechts) und Seemannspastor Dirk Jährig aus Brake (links) zu einem besonderen Seemannsgottesdienst eingeladen.
Zu sehen sind zahlreiche Gemeindemitglieder beim Seemannsgottesdienst in Fedderwardersiel.
Zahlreiche Gemeindemitglieder waren gekommen, um gemeinsam über die Herausforderungen und die Bedeutung der Seefahrt nachzudenken.