Seit drei Jahren unterstützt das Compass-Collective aus dem Wendland mit einem eigenen Segelboot die Seenotrettung im Mittelmeer. Für ihren Einsatz wurde die Initiative jetzt ausgezeichnet.
Hannover (epd). Die Seenotrettungsinitiative Compass-Collective aus dem Wendland ist in Hannover mit dem «Dr. Matthias Lange-Fluchthilfepreis» des Niedersächsischen Flüchtlingsrates ausgezeichnet worden. Die Initiative habe den mit einer Urkunde und einer Skulptur dotierten Preis für ihre zivile Seenotrettung im zentralen Mittelmeer erhalten, teilte der Flüchtlingsrat am Sonntag mit. Die Initiative beobachte und dokumentiere Menschenrechtsverletzungen und setze sich politisch und juristisch für die Rechte von Menschen auf der Flucht ein.
Mit seinem Segelschiff «Trotamar III» ist das Compass-Collective den Angaben zufolge seit drei Jahren im Mittelmeer im Einsatz. Die wechselnden Besatzungen suchen vor der tunesischen und libyschen Küste nach in Seenot geratenen Booten und nehmen gefährdete Flüchtlinge teils auch selbst an Bord. Mit seiner Arbeit mache das Compass-Collective «die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer sichtbar» und setze sich für sichere Fluchtwege ein, sagte der Geschäftsführer des Flüchtlingsrates, Kai Weber.
Die Vorsitzende des Flüchtlingsrats, Claire Deery, würdigte die Preisträger: Das Compass-Collective sei eine Antwort auf eine europäische Flüchtlingspolitik, die den Zugang zu Schutz immer weiter erschwere und die Verantwortung für Flüchtlinge zunehmend auslagere. «Während Europa seine Grenzen nach außen verschiebt, geht das Compass-Collective dorthin, wo die Folgen dieser Politik sichtbar und tödlich werden», sagte Deery. Der Preis erinnert an den Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden des Flüchtlingsrates, Matthias Lange, der 2006 starb.