In der Nachbarschaft wird gesellschaftlicher Zusammenhalt gelebt. Dort entstehen Netzwerke, die entlasten, verbinden und der Vereinsamung vorbeugen. Ziemlich beste Nachbarn: Wie das gehen könnte.
Bremen/Münster (epd). Gute Nachbarschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Lebenszufriedenheit: Das meint die Mehrheit derjenigen, die im «Nachbarschaftsbarometer 2025» befragt wurden. Was die bundesweit erhobene repräsentative Online-Studie auch ergeben hat: Das Zusammenleben in ihrer Nachbarschaft empfinden 69 Prozent der Befragten als gut oder sehr gut. Sechs Tipps, was man dafür tun kann:
Tipp 1: Offenheit und Toleranz: Für Udo Richter geht es in erster Linie um eine grundsätzliche Haltung. «Zunächst einmal sind Offenheit und Toleranz wichtig, um Kontakte knüpfen zu können», sagt der 66-jährige ehemalige Berufsschullehrer, der sich seit drei Jahren im Bremer Nachbarschaftsprojekt «Stadt.Teil.Raum» ehrenamtlich engagiert. Gut sei auch, gemeinsam etwas Praktisches zu unternehmen. «Das Gespräch entwickelt sich dann ganz von selbst.»
Toleranz, zumindest in einem gewissen Maß, findet auch der Soziologe Sebastian Kurtenbach aus Münster wichtig. Schließlich mache jeder mal Fehler. «Nachbarschaften sind ja so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Das heißt, dass Kinderlärm ausgehalten werden sollte. Oder auch, dass es mal länger dauert, wenn die Nachbarin mit dem Rollator durch die Tür geht. 'Leben und leben lassen' sagt man dazu im Kölschen.»
Tipp 2: «Hallo» sagen: Ziemlich beste Nachbarn - das funktioniert am besten mit Vertrauen, betont Kurtenbach. Damit es entstehe, sei gar nicht viel nötig, keine große Aktion. «Da kommt es auf einfache nachbarschaftliche Verhaltensweisen an, also beispielsweise das Grüßen im Treppenhaus. Das schafft Vertrauen.»
Tipp 3: Brauchst Du Hilfe?: Nachbarschaftliche Hilfe ist eine gute Grundlage für eine positive Stimmung im Haus und im Quartier. «Zumeist sind das Kleinigkeiten, auch nicht regelmäßig», hält Sebastian Kurtenbach fest. Mal eine Tür offen halten, wenn die Nachbarn mit vollen Einkaufstüten ins Haus wollen. Während des Urlaubs der Leute von nebenan nach der Post schauen und die Pflanzen gießen. Oder eine Bohrmaschine entleihen, wenn jemand darum bittet.
Tipp 4: Analoge und digitale Orte: Hört sich banal an, ist aber wichtig: In der Waschküche, im Treppenhaus oder im Hauseingang trifft man sich, «dort nehmen sich Menschen gegenseitig in der Rolle des Nachbarn wahr», sagt Sebastian Kurtenbach. Deshalb: Nicht warten, bis jemand durchs Treppenhaus durch ist, sondern die Begegnung dort suchen.
Der Soziologe nennt als Treffpunkte auch digitale Foren wie nebenan.de, die immer häufiger genutzt würden und für eine unkomplizierte Vernetzung im Quartier und im Stadtteil sorgen. Da lassen sich leicht Anlässe schaffen für kleine nachbarschaftliche Aktionen, zum Beispiel mit der Frage: Wer hat am Sonntag Lust auf einen Spaziergang? Oder zu einem Plausch bei Kaffee und Kuchen im Park nebenan? Kontakte entstehen auch in Gruppen mit gemeinsamen Interessen, denen man beitreten oder sie selbst gründen kann. Beispielsweise, um zusammen etwas zu kochen oder Sport zu machen.
Tipp 5: Miteinander reden. Und zuhören!: Es kann immer mal vorkommen, dass es zu Irritationen kommt, sei es, weil ein Ast in den Garten des Nachbarn wächst, nebenan gegrillt wird oder ein Auto nicht richtig geparkt wurde. Da hilft reden, in aller Ruhe. «Gesprächsfähig zu sein heißt aber auch zuzuhören, wenn einem selbst etwas gesagt wird», betont Kurtenbach.
Tipp 6: Rücksicht nehmen: Die Hausordnung zu kennen, das ist gut. Besser ist aber, sie auch einzuhalten. Das beginnt schon bei einfachen Dingen, etwa beim Lärm, beim Rauchen oder beim Abstellen des Kinderwagens oder des Rollators im Treppenhaus. Wer dann doch über das übliche Maß hinaus laut sein will, beispielsweise beim Feiern, sollte vorher mit den Nachbarn reden. Und sie am besten gleich einladen. Und grundsätzlich gilt: Wer seine Nachbarn bittet, Bescheid zu sagen, wenn etwas stört, fördert ein Klima des Vertrauens.