Der Sozialverband Deutschland fordert mehr Schutz für pflegebedürftige und behinderte Menschen bei Krisen. Konzepte und Leitfäden der Landesregierung reichen nach Verbandsansicht in der Praxis nicht aus, es hapere an der konkreten Umsetzung.
Hannover (epd). Der niedersächsische Landesverband des Sozialverbandes Deutschland mahnt anlässlich des Internationalen Tags der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober besseren Schutz für Menschen mit Behinderung und Pflegebedürftige an. Bei Krisenplänen und Vorsorgemaßnahmen dürften diese Gruppen nicht vergessen werden, forderte der Verband am Montag in Hannover. Zwar stelle die niedersächsische Landesregierung verletzliche Gruppen und den Hitzeschutz in den Fokus ihrer Strategie, doch geschehe in der Praxis noch zu wenig, warnte der niedersächsische Landesvorsitzende Dirk Swinke: «Konzepte und Leitfäden allein schützen noch keine Menschen.»
Überschwemmungen, Stürme und extreme Temperaturen nähmen in Deutschland stetig zu, hieß es. Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 habe gezeigt, dass Menschen mit Behinderung und ältere Bürger im Katastrophenschutz stark benachteiligt seien. Damals seien zahlreiche Menschen gestorben, darunter zwölf Bewohner in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung.
Notfallregister und barrierefreie Warnungen
In Niedersachsen leben nach Verbandsangaben fast 780.000 Menschen mit einer Schwerbehinderung. Entsprechend müsse der Katastrophenschutz inklusiv gestaltet werden, forderte Swinke. Kommunen sollten gemeinsam mit Pflegediensten, Behindertenverbänden und Einrichtungen Versorgungsketten sowie Notfallregister aufbauen. Auf diese Weise sei im Ernstfall sofort klar, wer auf Hilfe angewiesen sei und wer Unterstützung leisten könne, betonte der SoVD-Landeschef. Zudem verlangte Swinke verbindliche Notfallpläne und feste Ansprechpersonen in Heimen und Kliniken. Das Personal müsse entsprechend geschult werden. Warnungen müssten barrierefrei über Sirenen, Warn-Apps, Cell Broadcast, Rundfunk und Lautsprecher verbreitet werden. Um diese Maßnahmen in den Kommunen umzusetzen, brauche es eine dauerhafte Finanzierung durch Bund und Land, unterstrich er.