Mit der Hilfe zur Pflege greift der Staat pflegebedürftigen Menschen mit wenig Geld unter die Arme. Doch viele Betroffene, die zu Hause gepflegt werden, nehmen die Leistung nicht in Anspruch. Niedersachsen liegt dabei unter dem Länderdurchschnitt.
Berlin/Hannover (epd). Viele Menschen, die zu Hause gepflegt werden, lassen ihren Anspruch auf finanzielle Hilfe vom Staat einer Studie zufolge ungenutzt. Rund 315.000 Menschen dürften bundesweit davon betroffen sein, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Modellrechnung des Freiburger Sozialforschers Thomas Klie im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands zeigt.
Nur 20 Prozent der rund 390.000 von Armut betroffenen Personen, die zu Hause gepflegt werden, nehmen die ihnen zustehende Hilfe auch wirklich in Anspruch. Das sind etwa 75.000 Personen. Es handele sich um «ein ausgeprägtes Dunkelziffernphänomen», heißt es in der Studie. In Niedersachsen liegt die Quote nochmal deutlich unter dem Durchschnitt, nämlich bei 12 Prozent.
Die Vorstandsvorsitzende des Paritätischen in Niedersachsen, Kerstin Tack, nannte unter anderem Unwissen, Scham und ausbleibende Beratung als Gründe für die ausbleibende finanzielle Unterstützung. Sie forderte deshalb eine solidarische Pflegevollversicherung, damit bedürftige Menschen die ihnen zustehende finanzielle Unterstützung bürokratiearm und umfassend erhalten. «Eine solidarische Pflegevollversicherung schützt Pflegebedürftige vor Armut, entlastet Angehörige und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.»