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Frühling im Garten: schneiden, säen, düngen - aber wann genau? Die Bremer Gartenexpertin Anna Küster erklärt, welche Arbeiten jetzt wirklich anstehen, warum der Rasen noch Ruhe braucht und wie Gemüse aus Samen am besten gelingt.

Bremen (epd). Jetzt geht es los: Der Frühling lockt mit längerer Sonnenscheindauer und wärmeren Temperaturen in den Garten. Aber was ist da jetzt zu tun? Die Bremerin Anna Küster weiß es. Sie leitet in der Hansestadt den Lehr- und Erlebnisgarten des Landesverbandes der Gartenfreunde, steht den Parzellisten mit Rat und Tat zur Seite. Ihre Tipps für einen gelungenen Start in die Gartensaison:

Gehölzrückschnitte sind jetzt angesagt. «Gehölze, die am einjährigen Holz blühen, kann man jetzt beschneiden, weil man den Aufbau gut erkennen kann», sagt Anna Küster. Das gelte auch für das Kern- und Beerenobst. Wer die Blütenstände der Stauden über den Winter stehen gelassen hat, was die Expertin als «vorbildlich» lobt, kann auch hier kürzen. Außerdem: Beete vorbereiten für erste Aussaaten und Pflanzungen, Kompost auf die Flächen.

Viele Gartenfreunde denken möglicherweise schon daran, den Rasenmäher anzuwerfen und die Flächen zu vertikutieren. Doch über Wochen war es jetzt relativ trocken. Anna Küster rät deshalb zur Zurückhaltung: «Da verzichte ich erst mal auf das Mähen, denn je kürzer der Rasen ist, desto schneller trocknet er aus.» Und was das Vertikutieren angeht: Da würde sie erst im April oder Mai aktiv werden, um direkt die Chance zu haben, dass der nachgesäte Rasen in den entstandenen Löchern gut keimt. «Dann auch gleich düngen und kalken.» Dabei könnten Urgesteinsmehl und handelsübliche Dünger genutzt werden.

Wie sieht das beim Gemüse mit dem Düngen aus? Küsters grobe Faustregel: Starkzehrer - also Gewächse mit hohem Nährstoffbedarf wie Kopfkohlsorten, Tomaten, Paprika und Auberginen - bekommen pro Pflanze eine kleine gefüllte Hand mit Hornspänen und zwei Schaufeln Kompost, die vor dem Pflanzen in den Boden eingearbeitet werden. Im nächsten Jahr folgen auf dem Beetstück die Mittelzehrer - Karotten, Zucchini, Kohlrabi oder Rote Beete. Im Jahr darauf kommen Schwachzehrer wie Erbsen, Salat oder Radieschen, bei denen nicht extra gedüngt werden muss, weil noch genügend Nährstoffe im Boden vorhanden sind. Die Expertin empfiehlt organischen Dünger, der nicht ganz so leicht ausgewaschen wird.

Auch Anna Küster registriert die wachsende Lust, Pflanzen auszusäen und selbst großzuziehen. «Ich verstehe das, weil die Arbeit etwas sehr Direktes hat, wo sich schnell und deutlich Erfolge und Misserfolge erkennen lassen», sagt sie und ergänzt: «Diese Erfahrung fehlt in unserem Alltag häufig.»

Möhren sind Küster zufolge unter den ersten Samen, die ins Beet kommen. «Die sät man direkt dahin, wo man sie haben will, weil sie sich nicht verpflanzen lassen wie andere Gemüse. Das kann schon ab März passieren.» Im März könne man auf der eigenen Fensterbank auch mit der Aussaat besonders wärmeliebender Pflanzen wie Paprika, Chili und Tomaten in nährstoffarmer Anzuchterde beginnen. «Die werden dann nach den Eisheiligen als kleine Jungpflanzen ins Beet gesetzt.»

Bei der Anzucht sollte auf optimale Lichtbedingungen geachtet werden, um das «Geilen» der Pflanzen zu vermeiden. Darunter versteht man ein unnatürliches schnelles Längenwachstum mit blassen, dünnen und instabilen Trieben. «Dabei kann eine Pflanzenlampe helfen», rät Küster. «Die ist aber nicht nötig, wenn ich die Pflanzen nach der Keimung nach und nach einfach der realen Sonne aussetze.» Also einfach das Fenster öffnen, oder - wenn möglich - die Pflanzen auf einen Balkon stellen. «Zwischen 12 und 15 Grad Celsius halten die Pflanzen locker aus. Durch die Konfrontation mit Wind und Sonne werden sie auch deutlich robuster als mit einer künstlichen Beleuchtung.»

Wer sich mit Gemüse noch nicht so gut auskennt, ist nach Einschätzung der Gartenberaterin mit den diversen Kohlsorten am besten bedient. «Die keimen sehr zuverlässig, auch bei niedrigeren Temperaturen. Die frühen Sorten lassen sich schon im März ins Beet pflanzen.»

Und welches Saatgut nehme ich am besten? «Ich nutze selbst nur samenfestes Bio-Saatgut und empfehle dies auch gerne, weil ich wichtig finde, dass alte Sorten erhalten bleiben», sagt Anna Küster, die beispielsweise aus ihren Tomaten selbst Saatgut gewinnt. Das ist mit den Hybrid-Saaten aus dem konventionellen Handel, auf der Tüte oft mit F1 gekennzeichnet, nicht möglich, weil sie in der nächsten Pflanzengeneration ihre typischen Eigenschaften verlieren. Samenfeste Sorten dagegen liefern auch im nächsten Jahr Früchte, die genauso aussehen und auch so schmecken wie die Mutterpflanze. Samenfeste Sorten gibt es unter anderem in Bioläden, auf Tauschbörsen, in Saatgut-Bibliotheken sowie im Internet über Biosaatgut-Shops.