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Zu wenig Personal, zu wenig Auslastung: Die Fachklinik Oldenburger Land für suchtkranke Menschen mit einer Behinderung hat Insolvenz beantragt. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre ist damit eine diakonische Suchtklinik in ihrer Existenz bedroht.

Oldenburg (epd). Erneut ist eine diakonische Suchtklinik in Niedersachsen in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Die Fachklinik Oldenburger Land gGmbH habe beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt, teilte das Diakonische Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg am Donnerstag mit. In der bundesweit einmaligen Diakonie-Fachklinik mit 99 Mitarbeitenden an zwei Standorten in Oldenburg und Neerstedt südlich von Oldenburg werden suchtkranke Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen behandelt.

Hintergrund des Antrags sei eine wirtschaftliche Schieflage in Neerstedt, hieß es. Dieser Standort sei nicht ausgelastet, und es fehle an Personal. Der Fachkräftemangel und personelle Veränderungen hätten die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Betreibergesellschaft nachhaltig beeinträchtigt. Der Standort Oldenburg dagegen sei solide aufgestellt.

«Die Entscheidung, einen Insolvenzantrag zu stellen, ist uns außerordentlich schwergefallen», sagte Mario Behrends, Vorstand der oldenburgischen Diakonie, der die Klinikgesellschaft angegliedert ist. Das Ziel sei nun, im Zuge des Insolvenzverfahrens tragfähige Zukunftsperspektiven für beide Standorte zu schaffen und ihre wichtige Arbeit langfristig zu sichern.

«Die Behandlung suchtkranker Menschen hat für die Diakonie im Oldenburger Land einen hohen Stellenwert», betonte Behrends: «Deshalb setzen wir alles daran, beide Einrichtungen zukunftsfähig aufzustellen.» Das Amtsgericht werde nun kurzfristig einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen.

Die Mitarbeitenden beider Standorte seien bereits informiert. Der Klinik-Betrieb werde während des Insolvenzverfahrens uneingeschränkt fortgeführt. Über das Insolvenzgeld seien die Gehälter für die Mitarbeitenden für drei Monate gesichert.

Die Diakonie im Oldenburger Land hatte den Standort Neerstedt erst vor fünfeinhalb Jahren erweitert. Dort entstand ein neues dreistöckiges Bettenhaus für bis zu 48 Patientinnen und Patienten.

Erst vor zweieinhalb Jahren hatte die diakonische Dietrich-Bonhoeffer-Klinik für suchtkranke Jugendliche in Ahlhorn bei Oldenburg Insolvenz angemeldet. Sie musste nach einem gescheiterten Rettungsversuch durch das diakonische Leinerstift mit Sitz in Großefehn bei Aurich vor wenigen Tagen endgültig schließen.

Als Ursache nannten die neuen Betreiber eine zu geringe Refinanzierung durch die Deutsche Rentenversicherung. In den Gebäuden der ehemaligen Reha-Klinik entstehen nun zwei therapeutische Wohngruppen.