Trotz engagierter Fürsprecher hat die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik am Mittwoch ihren Betrieb eingestellt. Damit ist die bundesweit größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche geschlossen. Am Standort wird es nun ein reduziertes Angebot geben.
Ahlhorn/Kr. Oldenburg (epd). Die bundesweit größte Fachklinik für suchtkranke Kinder und Jugendliche im niedersächsischen Ahlhorn bei Oldenburg hat nach 46 Jahren ihren Betrieb eingestellt. Am Dienstag sei der offiziell letzte Tag der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik gewesen, teilte der Träger, das diakonische Leinerstift, am Mittwoch im ostfriesischen Großefehn bei Aurich mit. Jetzt starte ein neues Kapitel.
Aus der Fachklinik wird den Angaben zufolge nun eine Einrichtung, die auch künftig Kindern und Jugendlichen mit einer Abhängigkeitserkrankung einen Ort «zum Heilen und für einen Neuanfang» bietet. Das neue Angebot mit dem Namen «Leinerstift - Leben, Entwickeln, Entfalten» richte sich an Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren.
Zum Neustart gingen in Ahlhorn zwei therapeutische Wohngruppen in Betrieb, sagte der Vorstandsvorsitzende des Leinerstifts, Wolfgang Vorwerk. Perspektivisch sollen weitere Wohngruppen und Therapieangebote entstehen. Voraussetzung für eine Aufnahme sei eine qualifizierte Entgiftung und die Bereitschaft, sich auf ein drogenfreies und weitgehend internetfreies Umfeld einzulassen.
Die Leinerstift-Gruppe machte deutlich, dass das neue Angebot die bisherige Reha-Klinik nicht vollumfänglich ersetzen könne und keinen adäquaten Ersatz für die bisherige Arbeit darstelle. Für junge Menschen mit einer akuten Entzugssymptomatik oder schweren psychiatrischen Krisen sei das Angebot nicht ausgelegt. «Trotzdem war es uns wichtig, zumindest einen Teil der Versorgung am Standort zu erhalten», betonte Vorwerk.
Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik hatte nach langem Ringen mit dem Kostenträger aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb einstellen müssen. Das Leinerstift sowie Suchtexperten machten die Deutsche Rentenversicherung für das Scheitern verantwortlich. Der Vorwurf: Die Rentenversicherung habe keine ausreichenden Tagessätze gezahlt.
Zu den Kritikern zählte auch der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck (CDU). Er warf der Rentenversicherung vor, eine kompromisslose Haltung einzunehmen. Kranke Kinder und Jugendliche seien dabei «auf der Strecke geblieben». Die Rentenversicherung betonte in der Auseinandersetzung stets, die gezahlten Tagessätze seien ausreichend.