Zum Hauptinhalt springen

In Niedersachsen nehmen weiterhin nur vier Prozent der muslimischen Schülerinnen und Schüler am islamischen Religionsunterricht teil. Seit Jahren steigen die Zahlen nur sehr langsam an. Im bundesweiten Trend haben sich die Zahlen dagegen verdoppelt.

Hannover (epd). Die Zahl der Schüler im Islam-Unterricht an allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen verharrt weiter auf niedrigem Niveau. Im Schuljahr 2025/26 besuchten 3.693 Schülerinnen und Schüler den islamischen Religionsunterricht, wie eine am Donnerstag veröffentlichte bundesweite Recherche des Mediendienstes Integration mit Sitz in Berlin zeigt. Das waren rund 3,8 Prozent aller muslimischen Schüler in dem Bundesland. Nach Zahlen des Kultusministeriums in Hannover gab es gegenüber dem Jahr zuvor nur einen geringen Anstieg um 256 Schüler.

Insgesamt gingen im vergangenen Schuljahr 95.289 muslimische Kinder und Jugendliche auf eine allgemeinbildende Schule in Niedersachsen. Das waren 10,8 Prozent aller Schüler. Die Zahl der Teilnehmenden am Islam-Unterricht stieg über Jahre hinweg allerdings nur sehr leicht an. Gegenüber 2017, als 4.037 Schüler den islamischen Religionsunterricht besuchten, ging der Anteil sogar leicht zurück. Das reguläre Schulfach «Islamische Religion» war in Niedersachsen 2013 an Grundschulen und 2014 an weiterführenden Schulen eingeführt worden.

Der Mediendienst Integration hatte für seine Recherche die Kultusministerien der 16 Bundesländer angefragt. Der Auswertung zufolge gibt es in neun Bundesländern entweder einen bekenntnisorientierten Unterricht unter Mitwirkung islamischer Organisationen oder ein Fach Islamkunde, das allein vom Staat verantwortet wird. Darunter sind alle westdeutschen Flächenländer und Berlin.

Auffällig ist das Ost-West-Gefälle: In den fünf ostdeutschen Flächenländern wird kein Islam-Unterricht angeboten. Im Stadtstaat Hamburg besuchen muslimische Schüler einen von mehreren Konfessionen und Religionen mitverantworteten Unterricht. In Bremen gibt es einen staatlichen Religionsunterricht für alle Schülerinnen und Schüler.

Bundesweit betrachtet hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Islam-Unterricht im Unterschied zum Trend in Niedersachsen binnen zehn Jahren verdoppelt. Im Schuljahr 2025/26 besuchten demnach etwa 84.300 Schüler islamischen Religionsunterricht oder Islamkunde an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland. Im Schuljahr 2015/2016 hatten etwa 42.600 Schüler am Islamunterricht teilgenommen.

Der meiste Islam-Unterricht wurde 2025/26 in Nordrhein-Westfalen erteilt, dort besuchten 30.260 Schülerinnen den islamischen Religionsunterricht. Das waren sieben Prozent der dortigen muslimischen Schüler. In Bayern besuchten rund 22.800 Schüler den Unterricht in Islamkunde - das sind etwa 15 Prozent der muslimischen Schüler im Land und damit anteilig sogar mehr als in Nordrhein-Westfalen. In Deutschland leben nach einer Schätzung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge rund 7 Millionen Musliminnen und Muslime, davon mehr als 90 Prozent im Westen Deutschlands.

«Um den Islam-Unterricht auszubauen, müssen mehr Stellen für Islam-Lehrkräfte geschaffen werden», sagte der Erlanger Islamwissenschaftler Mathias Rohe dem Mediendienst. Das werde auch angehende Lehrer motivieren, das Fach zu wählen. Den Islam-Unterricht auszubauen, sei auch angesichts islamistischer Online-Propaganda wichtig, betonte der Forscher.