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Der Theologieprofessor Michael Domsgen fordert von der evangelischen Kirche eine offensive Reform ihrer Strukturen. Der anhaltende Mitgliederschwund zwinge die Kirche zum Verlassen vertrauter Wege.

Wolfenbüttel (epd). Der Hallenser Religionspädagoge Michael Domsgen hat die evangelische Kirche zu einer vorausschauenden Reform ihrer Strukturen aufgerufen. «Die Frage ist nicht mehr, ob sich Kirche verändern muss, sondern nur noch, wie das geschehen soll», sagte Domsgen laut Redemanuskript am Sonnabend beim dritten Gemeindekongress der braunschweigischen Landeskirche in Wolfenbüttel. Angesichts drastisch sinkender Mitgliederzahlen stehe die Kirche vor der Wahl, den Wandel proaktiv zu gestalten oder sich reaktiv treiben zu lassen. Im Mittelpunkt des Kongresses steht die Strukturreform der Landeskirche. Domsgen ist Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Landeskirche stehe unter erheblichem Reformdruck, da sich ihre Mitgliederzahl bis 2040 voraussichtlich auf rund 130.000 halbieren werde. Zudem reduzierten sich die finanziellen Spielräume bis 2030 um etwa 25 Prozent, erläuterte der Wissenschaftler. «Von vornherein war klar, dass veränderte Strukturen per se keine Lösung des Problems darstellen», betonte Domsgen mit Blick auf den landeskirchlichen Reformprozess.

Kirchliche Ordnungen trügen ihren Zweck nicht in sich selbst, sondern dienten der Verkündigung des Evangeliums, der Feier der Sakramente, dem Frieden, der guten Ordnung und der Erbauung der Gemeinde, sagte der Theologe. Entscheidend sei auch, bei den Mitarbeitenden eine Haltung des Vertrauens zu stärken und Begegnungsräume verlässlich zu sichern. «Raus aus der Selbstbespiegelung und hinein in die Begegnung mit Menschen», mahnte der Universitätsprofessor.

Der Theologe plädierte zudem für einen nüchternen Blick auf den gesellschaftlichen Bedeutungsverlust des Christentums. «Es gibt kein Programm, das die Säkularisierung stoppen könnte», unterstrich Domsgen. «Wir werden nicht vor die Welle kommen und müssen es auch gar nicht.» Eine zukunftsfähige Gemeinde finde gerade in den Veränderungen ihren Auftrag und ihren Halt.