Zu viele Theologiestandorte, zu wenig Nachwuchs: Führende evangelische Theologen mahnen ein radikales Umdenken und Reformen an – nicht nur, um Fakultäten in Deutschland zu retten, sondern um Theologie als geistige Zukunftsressource zu behaupten.
Göttingen (epd). Angesichts sinkender Studierendenzahlen und schwindender gesellschaftlicher Relevanz halten führende evangelische Theologen eine grundlegende Umstrukturierung der theologischen Wissenschaft an deutschen Universitäten für dringend geboten. «Die Erhaltung des Status quo ist schlicht keine realistische Option», heißt es einem Beitrag des Göttinger Kirchenrechtlers Hans Michael Heinig, des Berliner Theologieprofessors und Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Christoph Markschies, sowie des Vizepräsidenten im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Stephan Schaede, für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Montag).
«Die Einschreibungszahlen in den theologischen Studiengängen brechen ein», so die drei renommierten Autoren. Gegenwärtig gebe es in Deutschland mehr als 50 Standorte für das Studium der evangelischen und eine vergleichbare Anzahl für das der katholischen Theologie. «Doch das Gespenst von Kürzung und Abbau streicht durch die Gänge. Die Sorge um Schließung ist hinter vorgehaltener Hand zu vernehmen.»
# Theologie als Zukunftsfaktor
Es werde nicht ausreichen, auf die vertraglichen Vereinbarungen zwischen Staat und Kirchen zu verweisen, die die Fakultäten und Fachbereiche im Bestand garantieren, heißt es in dem Beitrag weiter:
«Grundlage der Verträge ist ein adäquater theologischer Ausbildungsbedarf für Geistliche und Religionslehrkräfte - und der besteht schon jetzt bei Weitem nicht mehr in dem Umfang, wie theologische Fakultäten und Institute vorgehalten werden.» Es sei eine Frage der Zeit, bis erste Universitätsleitungen die Schließung von Standorten verlangen und Landesregierungen mit Vertragsänderungen oder gar -kündigungen drohten.
Die Lösung von diesen Fragen, die schon länger der Beantwortung harrten, habe die Theologie verdient, so Heinig, Markschies und Schaede: «Die Universitätslandschaft unseres Landes wäre signifikant ärmer ohne leistungsfähige Theologien. Und um die Zukunftsfähigkeit eines immer deutlicher multireligiösen Landes wäre es auch schlechter bestellt.»