Sportwetten sind weit verbreitet. Besonders bei Ereignissen wie der bevorstehenden Fußball-WM haben sie Konjunktur. In manchen Fällen führt das vermeintliche Spiel aber zur Sucht.
Hannover/Köln (epd). Wer sich mit Fußball auskennt, wittert bei Sportwetten die große Chance auf einen Gewinn. Doch der Ausgang eines Spieles lässt sich nicht vorhersagen. Und die Wetten bergen ein hohes Suchtpotenzial. Warum das so ist und wo es Hilfe gibt, erläutern Experten.
Was sind überhaupt Sportwetten?
Sportwetten sind laut dem deutschen Glücksspielstaatsvertrag Glücksspiele. Wie sie ausgehen, hängt in erster Linie vom Zufall ab. Wer wettet, setzt auf Siegchancen in einem Spiel oder Turnier und zahlt dafür Geld ein - mit der Hoffnung, richtigzuliegen und den Einsatz zu vervielfachen.
Wie verbreitet ist Glücksspielsucht, insbesondere mit Blick auf Sportwetten?
Laut dem Glücksspiel-Survey 2025 haben gut 36 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 70 Jahren in den vergangenen zwölf Monaten in mindestens einem Glücksspiel um Geld gespielt. Mehr als jeder zehnte Befragte nimmt mindestens wöchentlich an Glücksspielen teil. Von einer glücksspielbezogenen Störung sind 2,2 Prozent betroffen, wie der Survey der Universität Bremen und des Hamburger Institutes für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung zeigt. Die höchsten Anteile von Menschen mit einer Störung finden sich unter Spielerinnen und Spielern virtueller Automatenspiele (32,5 Prozent), von Geld- (23,4 Prozent) und Glücksspielautomaten (28,1 Prozent) sowie Live-Sportwetten (27 Prozent).
Am stärksten gefährdet für suchthaftes Spielen ist laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (Biög) die Gruppe der 18- bis 25-jährigen Männer. Bei den 21- bis 35-Jährigen haben etwa zehn Prozent schon einmal auf ein Sportereignis getippt, bei den 18- bis 20-Jährigen sind es etwa fünf Prozent. Selbst bei den 16- bis 17-Jährigen haben bereits knapp drei Prozent schon einen Wettschein ausgefüllt. Dabei sind Sportwetten für Minderjährige verboten.
Warum können Sportwetten süchtig machen?
«Sportwetten sind unkompliziert und überall verfügbar», sagt die Suchtberaterin Silke Quast vom Diakonischen Werk Hannover. Außerdem würden sie massiv beworben. Es gebe nicht nur viele Wettbüros, sondern die Wetten seien online auch rund um die Uhr verfügbar. «Das ist ein großer Teil der Verführung», betont Quast. Das Gefühl, fast gewonnen zu haben, löse bereits etwas aus. «Das ist im Hirn tatsächlich noch aufregender als der Gewinn als solcher.» Das Wetten sorge dafür, dass Spiele durch die Aussicht auf den eigenen Gewinn noch spannender werden. «Ich fiebere mit.»
Viele Wetter überschätzen zudem ihr Fachwissen, darauf machen die Experten vom Biög aufmerksam. «Die Kombination aus subjektivem Fachwissen und der Hoffnung auf Gewinn kann schnell in problematisches Spielverhalten führen.» Dabei zeigten Studien, dass Expertinnen und Experten bei der Vorhersage von Fußballergebnissen nicht besser abschneiden als Laien.
Woran erkenne ich, dass ich süchtig bin?
Nach den Erfahrungen von Suchtberaterin Silke Quast ist die Höhe der eingesetzten Beträge ein wichtiges Kriterium - ebenso die Häufigkeit, mit der gewettet wird. «Denn wir haben hier wie bei den stoffgebundenen Süchten eine Toleranzentwicklung», erläutert sie. Wer anfangs fünf Euro einsetze, setze später 50 Euro und irgendwann 500, um eine entsprechende Wirkung zu erreichen. «Wenn ich anfange, die Relation zu verlieren und das Wetten zu priorisieren, sollten die Alarmglocken ziemlich laut schrillen.»
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit bietet neben anderen unter www.check-dein-spiel.de Selbsttests an, mit denen die Spielenden ihr Risiko für eine Suchterkrankung ermitteln können.
Welche Folgen können eintreten?
Pathologisch Glücksspielende spielen oft viele Stunden täglich, darauf verweist die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS). Verlieren sie, spielen sie weiter - in der Hoffnung, dass sich das Blatt wieder wendet. Gewinnen sie, spielen sie erst recht weiter. Fast immer hören sie erst auf, wenn deutlich mehr verspielt wurde, als sie anfangs einsetzen wollten.
Die Folgen sind laut DHS zunächst finanzielle Probleme und Schulden. Viele zwanghaft Spielende rauchten zudem stark und tränken große Mengen Kaffee oder Alkohol. Das pathologische Glücksspiel werde als psychische Erkrankung behandelt.
Doch nicht nur die Betroffenen selbst leiden unter den Folgen. Die Sucht hat negative Auswirkungen auf Beziehungen und ganze Familien, wie das Biög erläutert: Oft sei der betroffene Elternteil zwar körperlich anwesend, gedanklich aber beim Glücksspiel. Kinder fühlten sich dadurch weniger gesehen und wahrgenommen. Sie lernten, die Suchterkrankung in ihrer Familie vor anderen zu verbergen. Das Vertrauen in verlässliche Beziehungen schwinde.
Wo finde ich Hilfe?
In Deutschland werden für Spielsüchtige in Suchtfachkliniken und ambulanten Suchtberatungsstellen spezielle Therapien angeboten. Unter www.dhs.de/service/suchthilfeverzeichnis bietet die DHS ein entsprechendes Verzeichnis. Unter www.check-dein-spiel.de finden sich anonyme Beratungsangebote für Betroffene ebenso wie für Angehörige.
Betroffene können sich zudem über das Spieler-Sperrsystem Oasis selbst sperren lassen. Der Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet Anbieter von Glücksspielen, die Identität der Teilnehmer vor Beginn des Spieles zu überprüfen. Den Personen, die in Oasis eingetragen sind, müssen die Anbieter die Teilnahme an Glücksspielen verweigern.
Ein Beitrag von Karen Miether (epd).
Internet
Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren zum Thema Glücksspiel: https://www.dhs.de/suechte/gluecksspiel/
Seite Check-dein-Spiel des Bundesinstitutes für Öffentliche Gesundheit: https://www.check-dein-spiel.de/infos/
Informationen zum Spieler-Sperrsystem Oasis: https://s.epd.de/3uza
Glücksspiel-Survey 2025: https://s.epd.de/3uzd