Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen rechnet für 2026 mit einer schwächeren Getreideernte als im Vorjahr. Extreme Hitze und steigende Produktionskosten belasteten die Höfe trotz leicht gestiegener Erzeugerpreise.
Hannover (epd). Anhaltende Trockenheit, Hitze und gestiegene Produktionskosten schmälern im laufenden Jahr die Erträge vieler Landwirtschaftsbetriebe in Niedersachsen. Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Donnerstag in Hannover mitteilte, erreicht die Getreideernte ohne Körnermais voraussichtlich rund 5,5 Millionen Tonnen. Das sind knapp 200.000 Tonnen oder 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr.
Obwohl die Erzeugerpreise bei vielen Agrarprodukten leicht angezogen hätten, profitierten die Betriebe wegen der deutlich gestiegenen Kosten kaum davon, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje. Vor allem die Hitzeperiode Ende Juni mit Temperaturen von bis zu 40 Grad habe späten Kulturen wie Winterweizen und Raps schwer zugesetzt. Die Ernte der früher reifenden Wintergerste sei dagegen noch überdurchschnittlich gut ausgefallen.
Auch Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) wies auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernte hin. «Obwohl die Erntebilanz in Süddeutschland noch schwieriger erscheint, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier Ernteausfälle aufgrund von Extremwettereignissen deutliche Auswirkungen haben», sagte sie. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müsse weiterhin eine resiliente Fruchtfolgeplanung im Fokus stehen. Mit wassersparenden Anbaumethoden und trockenresistenteren Kulturen könne den Herausforderungen begegnet werden. Das Land berücksichtige dies in seiner Förderpolitik.
Nach Berechnungen auf der Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes wurden an niedersächsischen Messstationen bis Ende August bereits 13 bis 22 Hitzetage mit mindestens 30 Grad registriert. Auch Schwetje forderte die Betriebe auf, ihre Anbauplanung an die spürbaren Konsequenzen des Klimawandels anzupassen.
Auch beim Mais und Kartoffeln führt der erhebliche Niederschlagsmangel nach Einschätzung der Kammer zu Einbußen bei Ertrag und Qualität. Bei den Zuckerrüben sorgten zudem ein globales Überangebot und unrentable Preise für einen Rückgang der Anbauflächen, berichtete der Verband. Wegen des anhaltenden wirtschaftlichen Drucks benötigten zahlreiche Ackerbaubetriebe derzeit eine vorausschauende Liquiditätsplanung, um ihre Ausgaben zu sichern, hieß es.