Die Deutsche Umwelthilfe hat das Hochwasserrisiko bundesweit auf Kreisebene ausgewertet. Knapp ein Viertel der Regionen weist demnach ein hohes Risiko auf. In Niedersachsen tragen der Landkreis Verden und die Region Hannover besondere Risiken.
Hannover/Verden (epd). Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat das Hochwasserrisiko für alle 294 Landkreise und 107 kreisfreien Städte in Deutschland untersucht. Insgesamt 98 und damit knapp ein Viertel aller Regionen hätten mindestens ein hohes Risiko für schwere Schäden bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner am Montag. In Niedersachsen sind der Untersuchung zufolge vor allem Landkreise an der Weser, Aller, Ems, Elbe und Leine betroffen.
In weiteren 184 Gebieten herrscht dem «Hochwasser-Check 2026» zufolge ein mäßig hohes Risiko. Der Hochwasser-Risikograd wurde demnach aus der bei einem Jahrhunderthochwasser potenziell von Schäden betroffenen Fläche und den aktuell gefährdeten Wohnadressen errechnet. Den höchsten Risikograd weist laut der Studie der Ortenaukreis in Baden-Württemberg auf.
In Niedersachsen hat der Landkreis Verden gemessen an der Kreisfläche die meisten Risikogebiete, gefolgt vom Kreis Lüneburg. Risikogebiete liegen auch in den Landkreisen Emsland, Grafschaft Bentheim und Nienburg sowie in der Region Hannover, im Heidekreis und in den Landkreisen Celle, Hildesheim, Northeim, Hameln-Pyrmont und Schaumburg.
Wird die Zahl der gefährdeten Wohnadressen einbezogen, kommt die Region Hannover bundesweit auf den neunten Rang. Dort seien 3.827 Adressen gefährdet, hieß es. Der Kreis Emsland liegt in dieser Liste auf dem zwölften Rang und der Kreis Celle auf Rang 17.
Im vergangenen Jahr hatte die Umwelthilfe beim «Hochwasser-Check» die Ebene der Bundesländer untersucht. Aufgrund eines im Vergleich zu 2025 veränderten Datensatzes verringerte sich die Risiko-Bewertung für Niedersachsen nun den Angaben zufolge von «extrem» auf «sehr hoch» und der Stadtstaaten Bremen und Hamburg von «mäßig» auf «gering». Mitte Juli 2021, vor fünf Jahren, waren in Deutschland infolge von Flutkatastrophen 185 Menschen ums Leben gekommen. 136 davon starben in Rheinland-Pfalz, fast alle im Ahrtal.
In Niedersachsen und Bremen kam es an Weihnachten 2023 und über den folgenden Jahreswechsel zu einem Hochwasser. Unter anderem traten die Flüsse Aller, Ems, Leine und Weser über die Ufer und überfluteten ganze Landstriche. Verden bei Bremen stand besonders im Fokus, weil hier die Aller in die Weser fließt und sehr viele Wassermassen zusammenkommen.
Müller-Kraenner warnte angesichts dessen vor den «unvorhersehbaren Folgen der Klimakrise». Er forderte einen flächendeckenden Hochwasserschutz in Deutschland und nannte als effektivste Maßnahme den Auenschutz. In diesen naturnahen Flussgebieten könne sich das Wasser gefahrlos ausbreiten. Insbesondere an dicht besiedelten Flussläufen sei das potenzielle Schadensmaß besonders hoch.
Die stellvertretende Bereichsleiterin Naturschutz bei der DUH, Sabrina Schulz, bezeichnete es als «riesiges Problem, dass in Überschwemmungsgebieten immer noch gebaut werden darf». Die Umwelthilfe verlange daher eine «strenge Durchsetzung des Bauverbots» im Überschwemmungsgebiet sowie eine Priorisierung von «naturbasierten Lösungen im Hochwasserschutz».