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Der niederländische Gaskonzern One-Dyas darf bereits unter der Nordsee vor Borkum Erdgas auf deutschem Gebiet fördern.Umweltschützer warnen nun vor neuen Plänen des Energiekonzerns, die das sensible Ökosystem der Nordsee gefährden könnten.

Borkum/Berlin (epd). Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) befürchtet weitere Gasbohrungen vor der Insel Borkum in der Nordsee. Zusammen mit einem kanadischen Investor wolle der niederländische Gaskonzern One-Dyas seine umstrittenen grenzüberschreitenden Gasförderprojekte neben dem Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer massiv ausweiten, teilte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Mittwoch in Berlin mit.

Scharfe Kritik äußerte die DUH auch am geplanten deutsch-niederländischen Unitarisierungsabkommen, das an diesem Mittwoch im Bundeswirtschaftsausschuss diskutiert wurde. Es soll die technische und rechtliche Zusammenarbeit bei der Förderung von Erdgas aus Feldern regeln, die unter der gemeinsamen Seegrenze hinweg verlaufen. Die DUH warnte, das Abkommen könnte Genehmigungen selbst dann absichern, wenn sie aus Naturschutzgründen geändert oder widerrufen werden müssten.

Die DUH verwies auf öffentlich zugängliche Investorunterlagen von One-Dyas. Danach werde eine Entscheidung für die Erschließung weiterer Gasfelder in unmittelbarer Nähe zur bereits bestehenden Förderung in dem Feld N05-A erwartet. Bereits 2027 solle dazu eine neue Satellitenplattform an der Grenze auf niederländischem Gebiet errichtet werden. One-Dyas darf bereits von einer in der niederländischen Nordsee stehenden Bohrinsel aus tief unter dem Meeresboden Erdgas fördern, das auf deutschem Hoheitsgebiet in den Bodenschichten lagert.

Der DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner sprach von einem «Frontalangriff auf Klima- und Meeresschutz». Plattformen, Bohrungen und Pipelines direkt neben und möglicherweise auch in hochsensiblen Schutzgebieten könnten das Ökosystem Nordsee dauerhaft schädigen. Der Bereichsleiter Energie und Klimaschutz der DUH, Constantin Zerger, ergänzte, das Gas aus der Nordsee werde schlicht nicht benötigt. Deutschland habe sich längst über Jahre mit LNG-Lieferverträgen bevorratet. Zudem sinke der Gasverbrauch durch die steigende Effizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien.