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Zwischen Nachrichten vom Krieg und Neuanfang in Deutschland: Der Ukrainische Verein in Niedersachsen berichtet von anhaltenden Belastungen für die Geflüchteten sowie von wachsendem Unterstützungsbedarf.

Hannover (epd). Angesichts des vor vier Jahren begonnenen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat die Vorsitzende des Ukrainischen Vereins in Niedersachsen, Oksana Janzen, die bevorstehenden Kürzungen von Unterstützungsleistungen für ukrainische Geflüchtete scharf kritisiert. «Solange der Krieg anhält, brauchen die Menschen Schutz und auch die nötige Zeit, um die Sprache zu lernen und einen Arbeitsplatz zu finden», sagte Janzen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beschränkte in der Vorwoche auf Anweisung des Bundesinnenministeriums den Zugang zu Integrationskursen auf Personen, die einen dauerhaften Aufenthaltstitel in Deutschland und damit einen rechtlichen Anspruch auf den Kurs haben.

Betroffen von den Kürzungen seien Asylbewerber im Verfahren, Geduldete, Migranten aus der EU sowie Flüchtlinge aus der Ukraine, hieß es. Nach vier Jahren stünden die Ukrainer immer noch vor großen Herausforderungen, betonte Janzen. Während sie einerseits tagtäglich den Krieg über Nachrichten auf ihren Handys verfolgten, müssten sie sich andererseits in Deutschland einen Alltag aufbauen. «Fast jeder hat Angehörige, die im Krieg gefallen sind», sagte sie.

Dass außerdem im März kommenden Jahres die sogenannte Massenzustromrichtlinie der Europäischen Union endet, die den Ukrainern einen befristeten humanitären Aufenthaltsstatus gewährt und einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt und Sozialleistungen verschafft, kritisierte Janzen ebenfalls. Ukrainer, die bis dahin keinen Arbeitsplatz vorweisen könnten, müssten dann wieder in den Krieg zurückkehren. «Viele dachten, dass der Krieg nach einem Jahr vorbei ist, aber das war nicht der Fall.»

Laut der Bundesagentur für Arbeit beziehen etwa 657.000 der rund 1,3 Millionen nach Deutschland geflüchteten Ukrainer Regelleistungen. Die Menschen seien auf staatliche Unterstützung angewiesen, denn die Summe der Geld- und Sachspenden für Geflüchtete und für die Menschen in der Ukraine würden immer weniger, mahnte Janzen. Auch ihr 2015 gegründeter Verein, der jährlich 70.000 Besuche zählt, sei auf Privatspenden angewiesen. «Für viele Geflüchtete sind wir ein Stück Zuhause.»

Der Ukrainische Verein in Niedersachsen hatte nach Kriegsbeginn die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen auf dem hannoverschen Messegelände unterstützt. Inzwischen sammelt er Sachspenden, die regelmäßig in die Ukraine geschickt werden und bietet in Niedersachsen lebenden Ukrainerinnen und Ukrainern unterstützende Beratungsangebote.