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Die bundesweit größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche muss schließen. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung will nun zwischen der Rentenversicherung und dem Träger vermitteln. Auch die Landesstelle für Suchtfrage warnt vor einem Aus.

Ahlhorn/Hannover (epd). Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), will sich für den Erhalt der größten deutschen Suchtklinik für Kinder und Jugendliche im niedersächsischen Ahlhorn einsetzen. Die Schließung der in Finanzschwierigkeiten steckenden Dietrich-Bonhoeffer-Klinik «wäre ein schwerer Verlust», sagte Streeck der «Bild»-Zeitung (Montag). Auch die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen warnte am Montag vor einem Aus des Hauses. Der Verlust der 60 Behandlungsplätze könne nicht durch andere Einrichtungen kompensiert werden.

Streeck betonte: «Gerade für junge Menschen mit Suchterkrankungen brauchen wir solche Therapieangebote dringend.» Er werde daher zwischen Betreibern und Rentenversicherung vermitteln, um den Erhalt von Therapieplätzen zu sichern, für die es einen hohen Bedarf gebe.

# Hoher Bedarf an Therapieplätzen für Jugendliche

Die Abhängigkeit bei Jugendlichen nehme zu, die Zahl der Drogentoten unter 30 Jahren steige, und der Zugang zu Drogen sei durch das Internet so leicht wie nie, erläuterte der Bundesbeauftragte. Aus diesem Grund müsse man «alles daransetzen, junge Abhängige früh in Therapie zu bringen».

Die Klinik im Landkreis Oldenburg hat angekündigt, ihren Betrieb zum 30. Juni einzustellen. Als Ursache nannte die Trägerin, die diakonische Leinerstift-Gruppe, eine massive Unterfinanzierung, die es unmöglich mache, den Betrieb kostendeckend und therapeutisch angemessen weiterzuführen.

# Angespannte Versorgungssituation

Nach Ansicht der Landesstelle für Suchtfragen wird die Schließung die ohnehin angespannte Versorgungssituation suchtkranker Kinder und Jugendlicher weiter verschärfen. Eine Behandlung in den regulären Rehabilitationseinrichtungen sei nicht zielführend. Nur eine frühzeitige und spezialisierte Intervention könne den Kindern und Jugendlichen dabei helfen, wieder Kontrolle und Sinnhaftigkeit für sich zu erlangen.

Auf «Bild»-Anfrage sagte eine Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung: «Mit der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik wurde eine höhere Vergütung verhandelt, die den Besonderheiten der Klinik und den finanziellen Bedarfen entspricht.» Warum ein wirtschaftlicher Betrieb dennoch nicht möglich gewesen sei, könne «die Einrichtung oder ihr Träger nur selbst beantworten». Die Deutsche Rentenversicherung stelle allerdings auch künftig sicher, dass alle jungen Menschen einen Reha-Platz erhalten, wenn sie ihn benötigen, betonte die Sprecherin.

Ein Beitrag von Jörg Nielsen (epd)

Internet:
www.dietrich-bonhoeffer-klinik.de 
www.nls-online.de