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Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist mit 101 Jahren gestorben. Das Auschwitz Komitee, Bundeskanzler Merz, Niedersachsens Ministerpräsident Lies und andere würdigten ihn als einen unschätzbaren Zeitzeugen.

Leer/Berlin/Hannover (epd). Nach dem Tod des Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg ist die Anteilnahme weiterhin groß. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb am Mittwoch auf der Plattform «X», Weinbergs Einsatz bleibe Vorbild und Verpflichtung. «Albrecht Weinberg reichte als Überlebender der Schoah die Hand zur Versöhnung. Er berichtete jungen Menschen vom Zivilisationsbruch mit der klaren Botschaft: gegen das Vergessen, gegen Hass, für Menschlichkeit.»

Zuvor hatten unter anderem bereits Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der israelische Botschafter Ron Prosor den 101-Jährigen gewürdigt, der am Dienstag im ostfriesischen Leer gestorben ist. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zeigte sich am Mittwoch ebenfalls «sehr bewegt». Er nannte Weinberg auf Instagram einen Zeitzeugen «von unschätzbarem Wert für unser Land und gerade auch die jüngere Generation».

Familie fast vollständig ermordet
Albrecht Weinberg wurde als Sohn einer jüdischen Familie am 7. März 1925 im ostfriesischen Rhauderfehn geboren. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen und mehrere Todesmärsche. Seine Familie wurde von den Nazis fast vollständig ermordet. Er selbst wanderte in die USA aus, kehrte jedoch 2012 zusammen mit seiner Schwester zurück in seine ostfriesische Heimat. Seitdem berichtete er vor Schulklassen unermüdlich von den Schrecken des Nationalsozialismus.

Auch das Internationale Auschwitz Komitee sowie die KZ-Gedenkstätten Bergen-Belsen und Mittelbau-Dora hoben die Verdienste Weinbergs hervor: «Albrecht hatte eine sehr besondere, geradezu entwaffnende Art», würdigt ihn die Gedenkstätte Mittelbau-Dora auf ihrer Internetseite. «Mit seinem feinen Sinn für Humor, seiner Ehrlichkeit und Bodenständigkeit nahm er sein Gegenüber direkt für sich ein.» Weinberg habe sich unermüdlich gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus engagiert und vor dem Erstarken der AfD gewarnt.

Voller Zartheit und Offenheit
Vizepräsident Christoph Heubner vom Auschwitz Komitee sagte am Dienstagabend in Berlin: «Voller Dankbarkeit, Hochachtung und Wehmut verabschieden sich Auschwitz-Überlebende in aller Welt von ihrem Freund, Weggefährten und Leidensgenossen.» Der Schmerz angesichts seiner ermordeten Eltern und vieler anderer jüdischer Menschen, die von den Nazis verfolgt und ermordet wurden, habe Weinbergs Leben bestimmt. «Dennoch trat er all den vielen jungen Menschen in Deutschland, mit denen er in den letzten Jahren als Zeitzeuge gesprochen hatte, voller Zartheit und Offenheit entgegen.»

Vorbild und Ansporn
In Leer lebte Weinberg in den vergangenen Jahren in einer Art WG mit seiner früheren Pflegerin Gerda Dänekas zusammen, die seinen Einsatz unterstützte. An sie richtete Heubner einen Dank «für ihre Liebe und Fürsorge». Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland, deren Mitglied Weinberg war, betonte am Mittwoch: «Er war uns immer ein Vorbild und Ansporn zugleich für unsere Arbeit gegen das Vergessen, für Menschlichkeit und Toleranz. Sein Wirken wird unvergessen bleiben.»

Die Schülerinnen und Schüler des nach ihm benannten «Albrecht-Weinberg-Gymnasiums» in Rhauderfehn hoben hervor, die Begegnungen mit Weinberg hätten sie zutiefst beeindruckt und berührt.
«Albrecht war jemand, der nicht nur uns sehr lebendig und verständlich von seiner Geschichte erzählt hat, sondern sich auch für unsere Geschichte interessiert und mit uns geredet hat.»

Ein Beitrag von Karen Miether (epd).

Internet: 
www.auschwitz.info 
Friedrich Merz auf X: https://s.epd.de/3ubz 
Olaf Lies auf Instagram: https://www.instagram.com/olaf.lies.mp/ 
Nachruf der Gedenkstätte Mittelbau-Dora: https://s.epd.de/3uby 
Albrecht-Weinberg-Gymnasium: https://www.gymnasium-rhauderfehn.de/