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Der Weltgebetstag gilt als eine der größten christlichen Basisbewegungen. In diesem Jahr haben Frauen aus Nigeria Gottesdienste vorbereitet, die dabei Anfang März in mehr als 150 Ländern gefeiert werden. Expertinnen verraten, was daran wichtig ist.

Hannover/Osnabrück (epd). Die Pastorin Susanne Paul aus Hannover und die Diakonin Rita Steinbreder aus Osnabrück gehören in der evangelischen Landeskirche Hannovers zu den Organisatorinnen des Weltgebetstages am 6. März. Sie erläutern, was Beten bewirken kann und was es mit dem Silvesterfeuerwerk zu tun hat, wenn weltweit Menschen Texte von Frauen aus Nigeria sprechen.

Beten kann Menschen stärken, davon ist Susanne Paul überzeugt. Wenn ein Kind vor dem Schlafengehen bete, dass es keine fünf in der Mathearbeit schreibt, erfülle sich das natürlich nicht selbstverständlich. «Beten ist kein Handel mit Gott und ersetzt nicht das Lernen», sagt die Pastorin für Genderfragen in der hannoverschen Landeskirche. Aber etwas auszusprechen und daran zu glauben, dass es auch gehört werde, sei eine Form der Selbstreflexion. Es helfe dabei, zuversichtlicher an eine Aufgabe heranzugehen und mehr Mut zu haben.

Rita Steinbreder hebt die Situation der Frauen aus Nigeria hervor. Diese haben für die Gottesdienste, die am Weltgebetstag in mehr als 150 Ländern gefeiert werden, die Gebete und weitere Texte verfasst, in denen sich auch ihr Alltag spiegelt. «Die Situation der Menschen, besonders der Frauen in Nigeria ist sehr prekär», sagt die Diakonin von der evangelischen Frauenarbeit mit Sitz in Osnabrück. Das Land sei von religiösen und sozialen Spannungen, von Armut und Gewalt geprägt. Für die Frauen sei es wichtig, Hoffnung zu bewahren und im Gebet auch Nöte aussprechen zu können. «In einer Situation, in der sie selbst gerade wenig bewegen können, trägt sie das Gefühl, Dinge in andere Hände abgeben zu können.»

Susanne Paul vergleicht die Gottesdienste am Weltgebetstag mit einem Silvesterfeuerwerk. So wie dieses alljährlich um die Welt ziehe, wenn es wieder in einem Land Mitternacht werde, so wanderten auch die Gebete um die Welt. Es sind dieselben Anliegen, die vorgetragen werden, wie Rita Steinbreder erläutert. «Wir treten in die Schuhe der Frauen aus Nigeria, fühlen und denken mit ihnen mit.»

Zuweilen sei das auch herausfordernd, sagt die Diakonin. Denn wie Menschen ihren Glauben praktizieren, sei weltweit sehr unterschiedlich. Die Frömmigkeit in Nigeria sei charismatisch geprägt und konservativ, die Bibel werde wörtlich ausgelegt. «So etwas wie eine historisch kritische Bibelauslegung oder gar eine feministische Auslegung ist in dieser patriarchal geprägten Gesellschaft nur wenig vorhanden.»

Der Weltgebetstag ist auch politisch, betonen die Expertinnen. Denn weltweit bereiteten viele Tausende Ehrenamtliche die Veranstaltungen vor. Sie beschäftigten sich dabei mit Ländern, die wie Nigeria in der aktuellen Medienberichterstattung kaum vorkommen. «Viele Konflikte in Nigeria haben noch immer mit den Grenzziehungen durch die Kolonialmächte zu tun», erläutert Susanne Paul. Oft würden diese aber als Auseinandersetzungen zwischen den Religionen abgetan. Angriffe der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram richteten sich gezielt an Schulen, weil dort Bildung vermittelt werde, erläuterte sie. Davon seien nicht nur Christen betroffen, sondern ebenso die muslimische Bevölkerung.

Zudem gebe es durch den Klimawandel Dürren und viele Binnenflüchtlinge, auch das schüre Konflikte im Land. «Die Nigerianer sind es nicht, die die Klimakrise befeuern», betont Rita Steinbreder. Die Hauptverursacher lebten in den Industrieländern. Sich dessen bewusst zu werden und postkoloniale Vorurteile über das Land abzulegen, habe auch eine politische Dimension.