Kunst als Friedensappell: In der Bremer Liebfrauenkirche zeigt eine russische Kunststudentin ihre Abschlussarbeit, Bilder gegen den Krieg. Die Arbeiten im Großformat polarisieren und rütteln auf, regen Besucherinnen und Besucher zum Gespräch an.
Bremen (epd). Ein Bild, fast 13 Meter hoch, sechs Meter breit, knapp 80 Quadratmeter Papierfläche - ein monumentales Statement gegen den Krieg, das da vor dem Chorfenster im östlichen Seitenschiff der Bremer Kirche Unser Lieben Frauen hängt: Ein Marathonläufer, riesig groß, auf seiner Brust der Appell «Stop War» in grünen Versalbuchstaben. Es ist das zentrale Werk der Bremer Künstlerin Anastasiia Guzenkova, das sofort allen auffällt, die im Hauptschiff der historischen Kirche nur ein paar Meter vom Marktplatz der Stadt stehen.
«Love is stronger than fear», lautet der Titel der Ausstellung mit insgesamt 24 Bildern, die bis zum 10. Februar in der historischen Ratskirche zu sehen sind. Liebe ist stärker als Angst - damit wendet sich die Kunststudentin, die in Moskau geboren wurde, vor allem gegen den Angriffskrieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegen die Ukraine.
«Ich hasse diesen Krieg», sagt die junge Frau, die in Kürze ihr Studium an der Hochschule für Künste in Bremen absolviert haben wird und mit der Ausstellung ihre Abschlussarbeit präsentiert. Der Krieg sei eine Katastrophe, betont die 27-jährige Künstlerin und ergänzt: «Für die Welt, für meine Familie. Für meine Großmutter, die aus der Ukraine kommt, ist das ein unerträglich langer Schmerz.»
Mit ihren Bildern will Anastasiia Guzenkova die Menschen bitten, sich gegen den Krieg zu vereinen. «Denn wenn jeder von uns etwas gegen den Krieg unternimmt, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, etwas, das in seiner Macht steht, dann können wir etwas verändern. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Böse und die Angst siegen», betont sie und glaubt fest daran: «Die Kraft, die uns antreibt, ist Liebe.»
Auf ihren Bildern ist Bewegung. «Überall Marathonläufer», erläutert die Malerin. Viele unterschiedliche Menschen, mit eigenen, auch schwierigen Geschichten: Ein Mann mit einer Sehbeeinträchtigung, der mit Stock mitläuft. Ein Mann im Rollstuhl, der geschoben wird. Eine Frau mit Brustkrebs, erkennbar an einer rosa Schleife.
Immer wieder sind auf den T-Shirts in der Masse der Läuferinnen und Läufer die Worte «Stop War» zu sehen, auf Russisch «Nein zum Krieg». «Sie alle eint der Wille, sich gegen den Krieg zu stellen», bekräftigt die Künstlerin. Ein Ziel, das nicht einfach zu erreichen sei. «Das ist wie ein Marathonlauf.» Sie sei dankbar, dass sie ihre Bilder in Bremen zeigen dürfe. «Das wäre in Russland nicht möglich.»
Vor allem das große Bild sei ein absoluter Hingucker, hat Liebfrauen-Pastor Stephan Kreutz registriert. «Die Touristen staunen und fotografieren.» Manche, die die Kirche genauer kennen, seien auch irritiert, weil das Motiv das zentrale Kunstwerk der Kirche verdecke, das Pfingstfenster des französischen Glasmalers Alfred Manessier (1911-1993).
Die Bilder sollen auch in den Gottesdiensten der kommenden Wochen thematisiert werden. «Daran kannst du nicht vorbei predigen», ist der evangelische Theologe Kreutz überzeugt. «Das Kunstwerk polarisiert, rüttelt auf, regt an zu Gespräch und Diskussion.»
Die Kirche werde so zum Dialograum, hat der Pastor beobachtet. «Manche Aussagen», meint Anastasiia Guzenkova, «müssen eben groß sein.» Die Forderung nach Frieden «fühlt sich für mich richtig an in diesem Format».