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Hannover (epd). Evangelische Bischöfe haben am Reformationstag zu Zuversicht in der Coronakrise aufgerufen und vor Egoismus gewarnt.

 

Der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns sagte in einem vom NDR übertragenen Radiogottesdienst aus der Klosterkirche in Braunschweig-Riddagshausen, Neid, Misstrauen und Aggression führten dazu, dass Menschen das Leben anderer einengten, beschädigten und zerstörten. In den vergangenen Monaten sei dies etwa beim Diebstahl von Desinfektionsmitteln oder bei Partys ohne Abstand und Masken zu erleben gewesen. «Im Kampf jeder gegen jeden gibt es nur Verlierer», betonte Meyns.

 

Die Erfahrung der christlichen Freiheit, die in der Reformation vor 500 Jahren neu entdeckt worden sei, könne helfen, die äußeren Einschränkungen geduldig und gelassen zu ertragen und den Ängsten einen tapferen Glaubensmut entgegenzusetzen, sagte der Bischof in seiner Predigt. Sie könne auch dabei helfen zu schauen, wer von der Familie, den Freunden und den Nachbarn Hilfe und Unterstützung brauche. Die Gottesdienste zu dem Feiertag fanden wegen der Corona-Pandemie überall in Niedersachsen und Bremen unter strikten Teilnahmebeschränkungen und Hygieneauflagen statt.

 

In der Marktkirche in Hannover rief Landesbischof Ralf Meister zur Zuversicht in schwierigen Zeiten auf. Auch angesichts der Corona-Pandemie gelte das biblische Wort «Fürchtet Euch nicht!», unterstrich er. Christen müssten keine Angst in Krisen wie dieser haben. Sie könnten aus dem Glauben an Gott heraus neue Hoffnung schöpfen. Daraus erwachse «eine Ermutigung, in dieser Welt mit all ihren Anfechtungen fröhlich und hoffnungsvoll leben zu können». Meister ist auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

 

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte bei einem politisch-theologischen Dialog zum Reformationstag in der Stiftskirche des hannoverschen Stephansstifts, die Regierungschefs befänden sich durch die Corona-Pandemie in einem andauernden moralischen Dilemma. «Wir müssen permanent zwischen Freiheit und Sicherheit abwägen», erläuterte er am Freitagabend. Das Grundgesetz gerate derzeit unter einen «wahren Stresstest».

 

Die Reisefreiheit oder die Entscheidung, wann und mit wem jeder essen oder feiern wolle, seien «selbstverständliche Teile unseres Freiheitsverständnisses», betonte der 61-Jährige. Gleichzeitig lebten die Menschen aber in einer sozialen Gemeinschaft und müssten Rücksicht aufeinander nehmen. Beides zusammen funktioniere in einer Pandemie nur bedingt. Weil ist katholisch getauft, gehört aber inzwischen keiner Kirche mehr an. Er hatte sich vor zwei Jahren dafür eingesetzt, dass der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen und anderen norddeutschen Ländern wird.

 

Am Reformationstag erinnern Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation durch Martin Luther (1483-1546) und die Entstehung der evangelischen Kirche vor rund 500 Jahren. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände in der Kirche seiner Zeit, die er der Überlieferung zufolge an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Reformationstag ist in Norddeutschland sowie den östlichen Bundesländern außer Berlin ein gesetzlicher Feiertag - insgesamt in neun Ländern.