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Frauen sind in der Mehrheit im neu gewählten Gemeinsamen Kirchenausschuss

Die Mitglieder der 50. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg haben auf ihrer konstituierenden Tagung am Samstag, 7. März, Chris Schellstede zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Der 25-jährige Kaufmann für Tourismus und Freizeit aus Nordenham ist Nachfolger von Sabine Blütchen, die die oldenburgische Synode 18 Jahre geleitet hatte und nicht wieder zur Wahl stand. Die Synodalen stimmten auf ihrer Tagung in der Integrativen Gesamtschule Wilhelmshaven mit großer Mehrheit für Schellstede. Er erhielt 49 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Schellstede war der einzige Kandidat und gehört seit November 2022 der Synode der oldenburgischen Kirche an. Er ist der jüngste Synodenpräsident in der Geschichte der oldenburgischen Kirche.

In seiner Vorstellung betonte Chris Schellstede, dass ihm eine Kirche am Herzen liege, die gesellschaftlich präsent sei und die Haltung zeige, ohne moralisch zu belehren. Eine Kirche, „die geistlich, theologisch verwurzelt bleibt und daraus den Mut schöpft sich zu verändern. Eine Kirche, die jungen Menschen nicht nur zuhört, wenn sie bleiben sollen oder es gerade gut passt, sondern sie ernsthaft beteiligt. Und eine Kirche, die die Erfahrung älterer Generationen nicht verwaltet, sondern wertschätzt und einbindet.“

Vor der oldenburgischen Kirche liegen laut Schellstede große Herausforderungen wie sinkende Mitgliederzahlen, weniger werdende finanzielle Ressourcen, die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt, die Klimakrise, Vertrauensverlust und gesellschaftliche Veränderungen. Er weigere sich aber zu glauben, „dass Schrumpfung gleichbedeutend ist mit Bedeutungslosigkeit. Kirche ist nicht dann am stärksten, wenn sie möglichst groß ist, sondern wenn sie klar weiß, wofür sie steht.“

Chris Schellstede (25) stammt gebürtig aus Nordenham und ist seit Februar 2024 Vorstands- und Bildungsreferent bei der Deutschen KlimaStiftung. Nach dem Fachabitur am Gymnasium Nordenham (2019) hat Schellstede einen Bundesfreiwilligendienst (2019 – 2021) absolviert und danach eine Ausbildung zum Kaufmann für Tourismus und Freizeit beim Klimahaus Bremerhaven (August 2021 bis Januar 2024). Seit November 2022 gehört er der Synode der oldenburgischen Kirche an, seit Juni 2024 ist er Kirchenältester der Kirchengemeinde Blexen. Von 2019 bis 2023 war er Vorsitzender der Evangelischen Jugend Oldenburg (ejo). Weiterhin hat Schellstede eine Ausbildung zum Predigtlektor der oldenburgischen Kirche absolviert.

Wahl der synodalen Mitglieder des Gemeinsamen Kirchenausschusses

Die Synodalen haben auf ihrer konstituierenden Tagung auch die synodalen Mitglieder des Gemeinsamen Kirchenausschusses (GKA) gewählt. Zwischen den Synodentagungen wird die Synode durch den GKA vertreten, der zusammen mit dem Oberkirchenrat an den Aufgaben der Leitung und Verwaltung der Kirche nach den Bestimmungen der Kirchenordnung arbeitet. Der GKA nimmt die Verantwortung für die Behandlung grundsätzlicher Aufgaben der Kirche wahr, solange die Synode nicht tagt.

Zusätzlich zu Synodenpräsident Chris Schellstede, der qua Amt Mitglied des GKA ist, wurden als synodale Mitglieder in den GKA gewählt:

Nichttheologische Mitglieder: Claudia Reetz (Berufene), Petra Holzapfel-Sperling (Kirchenkreis Delmenhorst/Oldenburg Land) und Ina von Deetzen (Kirchenkreis Ammerland)
sowie als theologische Mitglieder: Pfarrerin Anke Stalling (Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven) und Kreispfarrerin Birte Wielage (Kirchenkreis Delmenhorst/Oldenburg Land). 

Darüber hinaus gehören dem Gemeinsamen Kirchenausschuss an: 
Bischof Thomas Adomeit sowie die vier Mitglieder des Oberkirchenrates (Oberkirchenrätin Gudrun Mawick, Oberkirchenrat Lars Dede, Oberkirchenrat Sebastian Groß und Oberkirchenrat Hauke Smoor). Bischof Adomeit ist Vorsitzender des GKA, Synodenpräsident Schellstede sein Stellvertreter.

„Die Synodalen haben eine Mehrheit im GKA, damit der synodale Wille zwischen den Tagungen erkennbar bleibt“, so Bischof Adomeit im Vorfeld der Wahl.

Besetzung der Ausschüsse und Gremien

Da die wesentliche Arbeit des Kirchenparlaments in Ausschüssen geschieht und dort in der Regel die Themen und Vorlagen vorberaten werden, hat die Synode ihre Ausschüsse neu gebildet und besetzt.

Folgende Ausschüsse wurden neu besetzt: Ausschuss für theologische und liturgische Fragen, Schöpfungsverantwortung, Mission und Ökumene; Rechts- und Verfassungsausschuss; Finanz- und Personalausschuss; Ausschuss für Gemeindedienst, Seelsorge und Diakonie; Ausschuss für Jugend, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Rechnungsprüfungsausschuss.

Weiterhin wählten die Synodalen die Mitglieder für den Kirchensteuerbeirat und den Wahlausschuss für das Bischofs- und Oberkirchenratsamt.

Weiterhin erfolgte Wahlen in das Visitationsteam für Kirchenkreise, Einrichtungen und Werke und Arbeitsbereiche der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, den Beirat für Kirchenmusik, den Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes der oldenburgischen Kirche, die Wahl einer Vertrauensperson für Ehrenamtliche sowie für weitere Gremien.

Festgottesdienst zur Amtseinführung

Im Anschluss an die konstituierende Tagung der 50. Synode wurden die Synodalen am Samstagnachmittag in einem Festgottesdienst in der Friedenskirche in Fedderwardergroden von Bischof Thomas Adomeit in ihr Amt eingeführt.

Im Gottesdienst sprachen Bischof Thomas Adomeit und Oberkirchenrat Lars Dede jeder/jedem einzelnen Synodalen den Segen Gottes zu.

Entpflichtung von langjähriger Synodenpräsidentin Sabine Blütchen

Im Festgottesdienst am Samstagnachmittag wurde auch die bisherige Synodenpräsidentin Sabine Blütchen von Bischof Thomas Adomeit entpflichtet. Sabine Blütchen hat die Synode der oldenburgischen Kirche seit Januar 2008 geleitet und war in dieser Funktion auch Mitglied des Gemeinsamen Kirchenausschusses.

Über sehr viele Jahre habe Blütchen das Gesicht dieser Synode entscheidend mitgeprägt, so Adomeit. 30 Jahre sei sie Mitglied der Synode der oldenburgischen Kirche gewesen, 18 Jahre lang ihre Präsidentin. Das sei eine außerordentliche Wegstrecke.

„Wir nehmen heute Abschied mit großem Respekt, mit herzlichem Dank und mit hoher Wertschätzung“, betonte Bischof Adomeit. Sabine Blütchen habe das anspruchsvolle Ehrenamt als Synodenpräsidentin „mit profunder Kenntnis der oldenburgischen Kirche, mit viel Herzblut und mit beeindruckendem Engagement ausgefüllt. Mit deiner kompetenten Art und deiner souveränen Weise hast du immer dafür gesorgt, dass wichtige Weichenstellungen gut vorbereitet und unter Abwägen aller Argumente vorgenommen werden konnten. Für die Belange deiner Kirche warst du immer ansprechbar. Du hast Ehrenamtliche und Hauptamtliche zur gemeinsamen Leitung der Kirche ermutigt. Für den Oberkirchenrat und auch für mich als Bischof warst du darin eine verlässliche Partnerin“, so Adomeit.

„Man spürte deinem Dienst an, was dich geprägt hat: Klarheit im Denken, Besonnenheit im Handeln, Aufmerksamkeit für Verfahren und zugleich ein gutes Gespür für Menschen. Du konntest leiten, ohne dich in den Vordergrund zu spielen. Du konntest ordnen, ohne zu verhärten. Du konntest unterschiedliche Stimmen hören und zusammenführen. Das ist viel. Und das ist kostbar.“

In die langjährige Amtszeit von Sabine Blütchen seien wichtige und zum Teil weitreichende Entscheidungen für die oldenburgische Kirche gefallen. „Etwa die Möglichkeit, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen, ebenso wichtige Weichenstellungen beim Klimaschutz und zugleich auch schmerzliche, aber notwendige Entscheidungen im Blick auf die Zukunftsfähigkeit unserer Kirche.“ Blütchen hat laut Adomeit diese Prozesse nicht beschönigt, aber geholfen, sie zu gestalten. „Du hast geholfen, dass schwierige Fragen nicht zerredet, sondern verantwortlich beraten wurden. Und du hast mit dafür gesorgt, dass unsere Kirche auch in herausfordernden Zeiten handlungsfähig blieb.“

Das gelte auch ausdrücklich für die Zeit der Corona-Pandemie. So habe Blütchen die Synode in das digitale Zeitalter geführt: digitale Abstimmungen, digitale Vorlagen, neue Abläufe und Verfahren. Auch darin zeige sich Leitung: „nicht nur Bewährtes zu schützen, sondern in veränderter Lage Wege zu finden, auf denen Verantwortung weiter wahrgenommen werden kann“, so Bischof Thomas Adomeit.

Sabine Blütchen (72) war seit 1996 Mitglied der Synode der oldenburgischen Kirche und seit Januar 2008 Synodenpräsidentin. Gebürtig stammt Blütchen aus Neumünster (Schleswig-Holstein). Sie ist Mutter eines erwachsenen Sohnes und lebt mit ihrem Mann in Oldenburg. Nach dem Jurastudium in Kiel und Berlin hat sie zunächst als Rechtsanwältin in Berlin gearbeitet. In den Jahren von 1992 bis 1997 war sie Dozentin an der Handwerkskammer und der Logopädischen Lehranstalt in Oldenburg. Von 1997 bis zu ihrem Ruhestand war sie in Oldenburg als Rechtsanwältin und Mediatorin tätig. 

2009 wurde Blütchen zusätzlich Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und arbeitete dort im Beirat des EKD-Zentrums Qualitätsentwicklung im Gottesdienst mit. In der 12. Synode der EKD gehörte sie dem Präsidium an und verstand sich dort als „Vertreterin der kleineren EKD-Gliedkirchen“. Blütchen ist weiterhin Mitglied der 13. EKD-Synode.

Kirchenparlament ist das oberste Organ der Kirche

Das Kirchenparlament ist das oberste Organ der Kirche. Es nimmt stellvertretend für die Gemeinden die geistliche und rechtliche Verantwortung für das Leben der Kirche wahr. Die Synode ist beauftragt, auf allen Gebieten des kirchlichen Lebens Entscheidungen zu fällen. Ihr steht die kirchliche Gesetzgebung zu, sie ist für den gesamtkirchlichen Haushalt verantwortlich und wählt den Bischof bzw. die Bischöfin sowie die Oberkirchenräte.

Die Synode, deren Amtszeit sechs Jahre beträgt, hat insgesamt 60 Mitglieder. Davon wurden 54 im letzten Jahr von den sechs Kreissynoden gewählt. Ein Drittel der 54 gewählten Synodalen sind ordinierte Pfarrerinnen und Pfarrer (18) und zwei Drittel andere Gemeindeglieder (36 Kirchenälteste oder sonstige im kirchlichen Leben bewährte Gemeindeglieder). Weitere sechs Synodale werden vom Oberkirchenrat berufen. Von den 60 Synodalen sind 31 weiblich und 29 männlich. Sieben Synodale sind unter 30 Jahre alt und 24 wurden neu in die Synode gewählt.

Die Verhandlungen der Synode konnten im Live-Stream verfolgt werden, der unter dem Kurzlink: kirche-oldenburg.de/synode/live angeboten wird.

 

Das neu gewählte Präsidium der oldenburgischen Synode (von links nach rechts): Marylou Segebade aus Wüsting (Vizepräsidentin), Pfarrer Nico Szameitat aus Oldenburg (Vizepräsident), Synodenpräsident Chris Schellstede aus Nordenham, Jost Richter aus Elsfleth (Schriftführer), Jule Stamer aus Oldenburg (Schriftführerin) und Jutta Wilhelms aus Schortens(Schriftführerin).
Das neu gewählte Präsidium der oldenburgischen Synode (von links nach rechts): Marylou Segebade aus Wüsting (Vizepräsidentin), Pfarrer Nico Szameitat aus Oldenburg (Vizepräsident), Synodenpräsident Chris Schellstede aus Nordenham, Jost Richter aus Elsfleth (Schriftführer), Jule Stamer aus Oldenburg (Schriftführerin) und Jutta Wilhelms aus Schortens(Schriftführerin).
Chris Schellstede wurde zu neuen Präsidenten der oldenburgischen Synode gewählt.
Chris Schellstede wurde zu neuen Präsidenten der oldenburgischen Synode gewählt.
Bischof Thomas Adomeit (rechts) gratuliert Chris Schellstede zur Wahl zum neuen Präsidenten der oldenburgischen Synode.
Bischof Thomas Adomeit (rechts) gratuliert Chris Schellstede zur Wahl zum neuen Präsidenten der oldenburgischen Synode.
Konstituierende Tagung der 50. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg am Samstag, 7. März, in der Integrativen Gesamtschule Wilhelmshaven.
Konstituierende Tagung der 50. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg am Samstag, 7. März, in der Integrativen Gesamtschule Wilhelmshaven.
„Die Synodalen gehen nicht einfach als Gewählte in ihre Arbeit, sondern als Gesegnete", betonte Bischof Thomas Adomeit im Festgottesdienst zur Einsegnung der Synodalen.
„Die Synodalen gehen nicht einfach als Gewählte in ihre Arbeit, sondern als Gesegnete", betonte Bischof Thomas Adomeit im Festgottesdienst zur Einsegnung der Synodalen.
Segnung der Synodalen im Festgottesdienst in der Friedenskirche in Fedderwardergroden
Segnung der Synodalen im Festgottesdienst in der Friedenskirche in Fedderwardergroden
Im Festgottesdienst wurde die bisherige Synodenpräsidentin Sabine Blütchen entpflichtet.
Im Festgottesdienst wurde die bisherige Synodenpräsidentin Sabine Blütchen entpflichtet.
Über sehr viele Jahre habe Blütchen das Gesicht dieser Synode entscheidend mitgeprägt, so Adomeit.
Über sehr viele Jahre habe Blütchen das Gesicht dieser Synode entscheidend mitgeprägt, so Adomeit.
Maria Esfandiari, seit Mai 2025 Präses der Bremischen Evangelischen Kirche, dankte für die enge Zusammenarbeit beider Kirchen in den letzten Jahren.
Maria Esfandiari, seit Mai 2025 Präses der Bremischen Evangelischen Kirche, dankte Sabine Blütchen für die enge Zusammenarbeit beider Kirchen in den letzten Jahren.
Als Dank überreichte Pfarrer Dr. Friedrich Ley, Theologischer Vorstand des Diakonischen Werks der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, das Kronenkreuz der Diakonie in Gold an Sabine Blütchen.
Als Dank überreichte Pfarrer Dr. Friedrich Ley, Theologischer Vorstand des Diakonischen Werks der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, das Kronenkreuz der Diakonie in Gold an Sabine Blütchen.