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Sturmtief «Elli» bringt den Winter in den kommenden Tagen mit voller Wucht nach Niedersachsen. Politik und Verbände rufen die Bevölkerung zu Umsicht und gegenseitiger Hilfe auf. Städte erweitern ihre Nothilfe für obdachlose Menschen.

Hannover (epd). Angesichts von extremen Wetterlagen in den nächsten Tagen mit starkem Schneefall, Blitzeis und zweistelligen Minusgraden zum Start der kommenden Woche hat Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) die Bevölkerung zu Umsicht und gegenseitiger Hilfe aufgerufen. «Meine herzliche Bitte an alle Menschen in Niedersachsen: Seien Sie vorsichtig, nehmen Sie Rücksicht auf andere», sagte Lies am Donnerstag in einem von der Staatskanzlei verbreiteten Statement. Wo möglich, sollten etwa Ältere oder Kranke beim Einkauf oder Schneeschippen unterstützt werden. Mit Blick auf den Wintereinbruch weiten unterdessen mehrere Städte in Niedersachsen ihre Nothilfe für obdachlose Menschen aus.

Lies betonte, dass unnötige Fahrten oder Fußwege möglichst vermieden werden sollten. «Bringen Sie sich und andere nicht in Gefahr.» Durch umsichtiges Verhalten würden Einsatzkräfte entlastet, «die voraussichtlich ohnehin stark gefordert sein werden». Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) bat alle Menschen, die am Donnerstag oder Freitag das Haus verlassen, um besondere Vorsicht. Die Wetterbedingungen sollten nicht leichtfertig abgetan werden. «Nehmen Sie Warnungen vor Schneeverwehungen, Lawinen und Eiszapfenbildung ernst. Gesperrte Bereiche sollten nicht betreten werden.»

Der Paritätische Niedersachsen mahnte unterdessen, insbesondere Wohnungslose nicht aus den Augen zu verlieren. «Die anhaltende Kälte ist für obdachlose Menschen in Niedersachsen eine akute Lebensgefahr», sagte die Landesverbands-Vorsitzende Kerstin Tack. «Wer bei Minusgraden auf der Straße lebt, ist real in Not. Kälte, Nässe und fehlender Schutz lassen den Körper schnell auskühlen - mit teils tödlichen Folgen.»

Es komme in diesen Tagen darauf an, dass niemand wegschaue, betonte Tack. «Jede Begegnung kann Leben retten: Menschen ansprechen, Hilfe anbieten und bei gesundheitlichen Warnzeichen sofort den Notruf wählen.» Zugleich brauche es verlässliche Schutzangebote vor Ort - etwa geöffnete Notunterkünfte, Wärmestuben und Nachtcafés, Kältebusse mit warmen Mahlzeiten und medizinischer Erstversorgung. Die Kommunen müssten diese Hilfen kurzfristig ausweiten und auf ordnungsbehördliche Verdrängung konsequent verzichten.

Die Landeshauptstadt Hannover weitet angesichts der Wetterlage ihre schon erweiterte Winternothilfe nochmals aus. So werden Sozialarbeiter das Wochenende über außerplanmäßig im Einsatz sein, wie eine Sprecherin mitteilte. Das neue «Café Nachtlicht» der Diakonie für obdachlose Frauen ist am Wochenende ebenfalls durchgehend geöffnet. Zwei weitere Cafés sind in der Nacht geöffnet. Zudem sind die Kältebusse der Sozialverbände unterwegs.

«Solidarität und Einsatzbereitschaft sind hier das Gebot der Stunde, denn diese extremen Wetterlagen können für die Menschen auf der Straße lebensbedrohlich sein», sagte Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne). Sozialdezernentin Sylvia Bruns (FDP) appellierte an die wohnungslosen Menschen, die städtischen Notschlafstellen und die Anlaufstellen der sozialen Träger aufzusuchen, um Schutz vor der Kälte zu suchen. Obdachlose können bei Eiseskälte auch in der zentralen U-Bahn-Station Kröpcke übernachten.

Allein in Hannover leben nach Schätzungen bis zu 4.500 Menschen ohne festen Wohnsitz. Rund 500 übernachten regelmäßig im Freien. Auch die Stadt Hildesheim richtete ein Notquartier für Obdachlose ein und erweiterte die Öffnungszeiten einer Wärmstube.