Medienwissenschaftler Orwa Eyade warnt: Der Syrienkonflikt droht von außen ethnisiert zu werden. Warum er das für gefährlich hält - und welche Rolle Medien dabei spielen.
Hildesheim (epd). Der syrischstämmige Medienwissenschaftler Orwa Eyade hat davor gewarnt, dass sich aus dem politischen Konflikt in Syrien ethnische und nationale Auseinandersetzungen entwickeln könnten. Insbesondere von außerhalb werde dies als ethnischer Konflikt bewertet, aber dafür gebe es keinen realistischen Grund, sagte der Experte von der Universität Hildesheim dem Evangelischen Pressedienst (epd). Rund 80 Prozent der syrischen Bevölkerung seien entweder Araber oder sunnitische Muslime, die Kurden seien mit einem Anteil von etwa zehn Prozent auch überwiegend sunnitisch.
In den vergangenen Jahren habe es in Syrien ein freundliches Zusammenleben gegeben, betonte Eyade, der über den Einfluss von alternativen Medien im syrischen Bürgerkrieg promovierte. So habe er selbst auch viele kurdische Freunde, habe mit Kurden zusammen in Damaskus studiert. «Unsere Beziehung war respektvoll.»
Unter anderem seien auch die Medien mitverantwortlich für den eskalierenden Konflikt, sagte Eyade, der selbst fünf Jahre in Damaskus für einen TV-Sender arbeitete. Sender wie Al-Jazeera verbreiteten teilweise Fake News, die auch hierzulande als Quelle für die Demonstrationen dienten.
Die eskalierende Gewalt bei einigen Kundgebungen wie in Dortmund, Hannover und Stuttgart repräsentiere nicht die Mehrheit der kurdischstämmigen Community in Deutschland, kritisierte Eyade. «Eine kleine radikale Minderheit hat versucht, den Konflikt für eigene ideologische Zwecke zu instrumentalisieren.» Hintergrund der Demonstrationen sind die Kämpfe zwischen Truppen der syrischen Übergangsregierung und den kurdisch angeführten Syrisch-Demokratischen Kräften im Nordosten Syriens.
In allen Konflikten in Syrien hätten die Kurden stets den höchsten Preis bezahlen müssen, sagte Eyade auch im Hinblick auf die Zeit unter Diktatoren wie Baschar Al-Assad oder Saddam Hussein im Irak. Trotzdem glaube er, dass Freiheit und Frieden möglich seien. «Dafür braucht Syrien vor allem eine starke Zivilgesellschaft und unabhängige Medien, die nicht polarisieren, sondern verbinden.»