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Sie galt als leidenschaftliche Vordenkerin für die Frauen- und Familienpolitik und engagierte sich im Kampf gegen Aids. «Deutschland verdankt ihr viel», sagt Bundeskanzler Merz. Rita Süssmuth ist mit 88 Jahren gestorben.

Berlin/Göttingen (epd). Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) ist tot. Das teilte die amtierende Parlamentspräsidentin Julia Klöckner (CDU) am Sonntag in Berlin mit.

Süssmuth, die im Alter von 88 Jahren starb, sei eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik gewesen, würdigte Klöckner ihre Parteifreundin. «Ihr Elan und ihre Beharrlichkeit haben zahllose Menschen in Deutschland beeindruckt - und auch inspiriert.» Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete Süssmuth als große Politikerin und einen «Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen».

Süssmuth war von 1985 bis 1988 Bundesfamilien- und Gesundheitsministerin. 1986 wurde das Ressort um die Zuständigkeit für Frauen erweitert. Von 1988 bis 1998 war Süssmuth Präsidentin des Deutschen Bundestages. Von 1987 bis 2002 gehörte sie dem Parlament an. Außerdem engagierte sie sich beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dessen Vizepräsidentin sie von 1980 bis 1985 war.

Klöckner bezeichnete die 1937 in Wuppertal geborene Politikerin als leidenschaftliche Vordenkerin in der Frauen- und Familienpolitik, die die Gleichberechtigung von Frauen vorangetrieben habe. «Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein.»

Auch Merz hob das Engagement von Süssmuth für Gleichberechtigung, Toleranz und eine offene Gesellschaft hervor. «Deutschland verdankt ihr viel», erklärte er im Netzwerk X.

Süssmuth studierte nach ihrem Abitur Romanistik und Geschichte an den Universitäten Münster, Tübingen und Paris. Das erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien legte sie 1961 in Münster ab. 1964 wurde sie zur Dr. phil. promoviert. 1973 erhielt sie einen Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft an der Universität Dortmund.

1981 trat sie in die CDU ein, wo sie sich vor allem für die Familienpolitik engagierte. Ihre Berufung zur Nachfolgerin von Heiner Geißler an der Spitze des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit galt 1985 als Überraschung. Zu Niedersachsen hatte die Politikerin zahlreiche Verbindungen.

Von 1982 bis 1985 war Süßmuth Direktorin des Forschungsinstitutes «Frau und Gesellschaft» in Hannover. 1988 wurde sie die erste Ehrendoktorin der Wissenschaftlichen Hochschule Hildesheim. Bei der Bundestagswahl 1987 kandidierte Rita Süssmuth erstmals im Wahlkreis Göttingen, den sie dreimal hintereinander direkt gewann. 1998 zog sie über die Landesliste Niedersachsen der CDU letztmals in den Bundestag ein.

Klöckner sagte, Süssmuth habe sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten eingesetzt. Auch ihre Politik gegen die Immunschwächekrankheit Aids sei bahnbrechend gewesen. «Sie wandte sich entschieden gegen jede Form der Ausgrenzung und legte die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland.»

Klöckner erinnerte auch daran, dass Süssmuth «in historisch bedeutsamen Zeiten» das Amt der Bundespräsidentin ausübte: «An der Spitze des Parlaments gestaltete sie den deutschen Einigungsprozess mit.» Süssmuths Haltung sei durchweg geprägt gewesen von Empathie, Respekt vor dem Individuum und von Nächstenliebe, fügte Klöckner hinzu. «Diese Haltung wurzelte in ihrem katholischen Glauben. Rita Süssmuth zog zeitlebens Kraft aus ihrem besonderen Verhältnis zu Gott.»

Die CDU hob hervor, dass Süssmuth als zweite Frau im Amt der Bundestagspräsidentin «mit ihrer ausgleichenden Art das Vertrauen und die Achtung der Abgeordneten und Bürger» gewonnen habe. Sie werde als engagierte Politikerin in Erinnerung bleiben, die sich mit ihrem ganzen Herzblut für die Themen einsetzte, an die sie glaubte, erklärte die Partei in einem Post auf X.