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Um die Integration der vielen nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge voranzubringen, wurde Ende 2015 das Bündnis «Niedersachsen packt an» gegründet. Zum zehnjährigen Bestehen findet Altbundespräsident Gauck lobende Worte über das Erreichte.

Hannover (epd). Zehn Jahre nach der Ankunft zahlreicher Flüchtlinge in Deutschland hat Altbundespräsident Joachim Gauck die Integrationsleistung von Deutschen und Zuwanderern gewürdigt. «Wir sollten nicht so tun, als könne unser Land leben ohne die Menschen, die zu uns gekommen sind», sagte Gauck am Donnerstag in Hannover bei einer Konferenz zum zehnjährigen Bestehen des Integrationsbündnisses «Niedersachsen packt an». Der «Esprit» vieler zugewanderter Menschen könne ein Vorbild für viele andere sein.

Manche Zuwanderer-Familien hätten in Bezug auf Arbeit eine Haltung «wie die Leute, die einmal das Wirtschaftswunder errungen haben», sagte Gauck vor rund 900 Festgästen auf dem Messegelände. «Die eingeborenen Deutschen denken für mich manchmal zu viel über Work-Life-Balance nach», ergänzte er unter Applaus. Zugewanderte brächten oft einen «Spirit des Gelingens» mit nach dem Motto «Ich will vorankommen».

 Leider gebe es auch diejenigen, die sich kulturell und politisch nicht integrieren wollten, sagte der Altbundespräsident. Er betonte: «Wir brauchen keine Islamisten, und wir wollen keinen eingeführten Antisemitismus.»

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) wandte sich gegen Pläne im Bund, bei der Integration von zugewanderten Menschen zu sparen. «Das ist ein fatales Signal, wenn an dieser Stelle gekürzt und gestrichen wird.» Lies betonte: «Wir bleiben ein Land, das auf Zuwanderung angewiesen ist und das Vielfalt sucht und braucht.» Insofern werde die Integration auch weiterhin eine ganz zentrale Säule der politischen Arbeit sein.

Sorgen bereite es ihm, dass aktuell extremistische Strömungen Zulauf hätten, obwohl es eigentlich auf Zusammenhalt ankomme, sagte Lies auch mit Blick auf die Hochstufung der AfD Niedersachsen als gesichert rechtsextremistische Bestrebung durch den Landesverfassungsschutz: «Wir werden nicht zulassen, dass diejenigen, die gegen die Verfassung arbeiten und die Vielfalt, die zu einem Land gehört, nicht akzeptieren, hier auch weiterhin ein festes Fundament haben.»

Das bundesweit einzigartige Bündnis «Niedersachsen packt an» war Ende November 2015 gegründet worden, um die Eingliederung der vielen nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge voranzubringen. Dabei geht es etwa um Sprachkurse, Bildung, Arbeit oder den Wohnungsmarkt. Neben der Landesregierung sind auch Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmen, Wohlfahrtsverbände und Kommunen beteiligt. Das Bündnis hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 50 Konferenzen und Tagungen sowie rund 50 Jobmessen organisiert.