Viele Gedenkstätten für NS-Opfer verzeichneten im vergangenen Jahr gleichbleibend hohe Besuchszahlen. Allerdings nahmen an vielen Orten Störungen und antisemitische Vorfälle ebenfalls zu.
Bergen-Belsen/Bremen (epd). Die Gedenkstätten an die Opfer des Nationalsozialismus verzeichneten im vergangenen Jahr deutschlandweit vielerorts Besucherzuwächse oder ein gleichbleibend hohes Interesse. In der niedersächsischen KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen ging die Zahl zwar ihren Hochrechnungen zufolge leicht zurück. Doch bei vielen kleineren Gedenkstätten stieg sie auch in Niedersachsen und Bremen an, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) ergab.
2025 kamen rund rund 205.000 Menschen in die Ausstellungen und auf das Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen. 2024 waren es laut Sprecherin Stephanie Billib noch rund 210.000. Ein Grund für den Rückgang könnten Billib zufolge Bauarbeiten sein. Seit dem Sommer wird der Verwaltungstrakt der Gedenkstätte saniert, in dem sonst auch Sonderausstellungen gezeigt werden.
In anderen Gedenkstätten wie in Esterwegen im Emsland stiegen die Besucherzahlen an. Mit 24.150 Gästen zählte die Gedenkstätte dort sechs Prozent mehr als noch 2024. Mehr als ein Drittel waren Schülerinnen und Schüler, wie Udo Mäsker vom Landkreis Emsland sagte. Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer von insgesamt 15 Lagern im Emsland.
Der Bremer Denkort Bunker Valentin erreichte zehn Jahre nach seiner Eröffnung sogar einen neuen Besucherrekord. Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 40.773 Besucherinnen und Besucher in die Gedenkstätte in Europas zweitgrößten oberirdischen Bunker, wie eine Sprecherin der Bremer Landeszentrale für politische Bildung sagte. Auch die Gedenkstätte Moringen stieß 2025 auf ein weiter steigendes Interesse, wie eine Sprecherin erläuterte. Mit gut 2.800 Gästen sei ein neuer Rekord erreicht worden. Gleichbleibend waren die Zahlen mit rund 11.500 bis 12.000 Interessierten in der Gedenkstätte Sandbostel bei Rotenburg/Wümme.
Bundesweit erreichten einige große Gedenkstätten mehr Besucher als noch im Vorjahr. Die KZ-Gedenkstätte Dachau zählte im vergangenen Jahr gut eine Million Besuche. Für 2024 hatte sie mehr als 900.000 angegeben. In Brandenburg blieben die Besuchszahlen der Gedenkstätte Sachsenhausen mit rund 500.000 gleich, Ravensbrück verzeichnete mit 74.000 Besuchen ein Plus von 1,4 Prozent. Eine Zunahme von knapp 3,5 Prozent auf 113.800 Besuche im Vergleich zu 2024 verbuchte die Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
Konstant blieben die Besuchszahlen in den beiden großen Thüringer Gedenkstätten Buchenwald (rund 350.000) und Mittelbau-Dora (etwa 50.000). Die meisten Berliner Gedenkstätten zählten hingegen weniger Besucher als im Vorjahr.
Viele Gedenkstätten berichteten zugleich von einer Zunahme politisch motivierter Vorfälle. Das spiegelt sich oftmals in israelfeindlichen und antisemitischen Einträgen in den Gästebüchern wider, wie in Flossenbürg oder auch Bergen-Belsen. Ein Sprecher der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sagte, es sei nahezu wöchentlich eine Anzeige bei der Polizei erforderlich.
Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten hat ihrer Sprecherin zufolge im vergangenen Jahr drei Vorfälle angezeigt, darunter das Zeigen eines Hitlergrußes in Bergen-Belsen. In der Gedenkstätte Sandbostel waren ein Hakenkreuz und weitere rechtsextreme Symbole in einen Tisch geritzt worden. Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück teilte mit, sie nehme «deutliche atmosphärische Veränderungen» in der Gruppenbetreuung wahr. «Jugendliche mit rechten Orientierungen zeigen deutlicher, dass sie den Gedenkstättenbesuch als Zumutung begreifen», hieß es.