Am Donnerstag spricht die junge Behindertenrechtsaktivistin Janne Schmidmann in Bremen auf der Jahrestagung der Inklusionsforschung. Sie sagt, trotz fehlender Gelder kann eine inklusive Gesellschaft vorangebracht werden. Auf die Haltung kommt es an.
Bremen (epd). Die Bremer Inklusionsaktivistin und Schülerin Janne Schmidmann setzt sich dafür ein, Inklusion in erster Linie als persönliche Haltung zu begreifen. Inklusion in der Gesellschaft und insbesondere in der Schule betreffe nicht «die anderen», sondern jede und jeden Einzelnen, sagte die 17-Jährige dem Evangelischen Pressedienst (epd). Janne Schmidmann spricht am Donnerstag als eine der Hauptvortragenden auf der Jahrestagung der deutschen Inklusionsforschung, zu der ab Mittwoch mehr als 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Universität Bremen erwartet werden.
«Eine inklusive Haltung kann auch dort Wirkung entfalten, wo Ressourcen fehlen», betonte Schmidmann, die selbst aufgrund einer Knochenerkrankung eine körperliche Behinderung hat. Mit Blick auf schulische Zusammenhänge führte sie aus, Lehrkräfte oder pädagogisches Personal könnten viel bewirken, wenn sie Vielfalt akzeptierten. «Und auch mal um die Ecke denken, diskriminierungssensibel sprechen, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern bei welchen Problemen auch immer nach Lösungen suchen, alle einbeziehen.»
Fehlende finanzielle Mittel oder strukturelle Defizite dürften keine Rechtfertigung dafür sein, dass Schülerinnen und Schüler schlechter unterrichtet, weniger qualifiziert begleitet oder lediglich verwahrt werden, betonte Janne Schmidmann, die derzeit die zwölfte Klasse besucht und im kommenden Jahr ihr Abitur machen will: «Die persönliche Haltung ersetzt kein Geld, aber sie entscheidet darüber, ob Mangel zur Ausrede oder zum Ausgangspunkt für Kreativität wird.»
Beispiele für inklusive Ideen sind Janne Schmidmann zufolge der Einsatz KI-gestützter Übersetzungsprogramme im Gespräch mit Eltern, die kein Deutsch sprechen, oder auch die Planung barrierefreier Ausflüge unter Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern. «Es geht um Teilhabe und Teilgabe, um die Möglichkeit, an Entscheidungsprozessen teilzuhaben. Schülerinnen und Schüler brauchen Lehrkräfte, die an sie glauben, die hinschauen, zuhören und bereit sind, den eigenen Blick zu hinterfragen.»
Inklusion sei nicht das bloße Dabeisein, das Aufbewahren im Klassenzimmer, nicht das Absenken von Erwartungen. «Inklusion heißt Beziehung, Haltung, Verantwortung», betonte die Schülerin und ergänzte aus ihrer eigenen Erfahrung: «Ich merke, wenn Lehrkräfte wollen, dass ich meinen Abschluss mache, wenn sie mir Teilhabe ermöglichen und mit mir ins Gespräch gehen. Dann werden trotz der fehlenden Ressourcen, die es nun mal überall gibt, immer Möglichkeiten gefunden, mir das Ganze einfacher zu gestalten.»
Um das zu erreichen, sei es wichtig, Lehrkräfte für das Thema zu sensibilisieren und fortzubilden. Janne Schmidmann ergänzte: «Um es in Anlehnung an den Berliner Inklusionsaktivisten Raúl Krauthausen zu sagen: Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will oder nicht darüber nachdenkt, findet Ausreden.»