In ihren Predigten zum Jahreswechsel haben leitende Vertreter der Kirchen davor gewarnt, angesichts von Veränderungen und Verunsicherung nur zu jammern und zu klagen. Stattdessen sollten die Menschen sich mutig für die Gesellschaft einsetzen.
Bremen/Osnabrück (epd). Leitende kirchliche Repräsentanten aus Niedersachsen und Bremen haben in ihren Silvesterpredigten zum mutigen Engagement für die demokratische Gesellschaft aufgerufen. Der evangelische Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus aus Bremen warnte davor, die Demokratie verächtlich zu machen. Zugleich ermutigte er die Menschen, sich für Recht und Gerechtigkeit statt für das Recht des Stärkeren einzusetzen.
Dies sage auch die biblische Jahreslosung für das neue Jahr, sagte Kuschnerus laut Predigtmanuskript am Silvesterabend in der Bremer Melanchthon-Kirche. Die Losung für 2026 stammt aus der Offenbarung des Johannes und lautet «Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!».
Kuschnerus: Sorge und Kriege belasten die Menschen
2025 hätten private Sorgen ebenso wie die schrecklichen Kriege in der Ukraine und dem Sudan sowie an anderen Orten dieser Welt die Menschen belastet, sagte Kuschnerus. Dazu zähle auch «die Besorgnis darüber, dass einige der mächtigsten Staaten dieser Welt von Machthabern regiert werden, denen die Selbstherrschaft wichtiger ist als das Allgemeinwohl, und über Tech-Milliardäre, die ihre riesige Medienmacht dazu nutzen, unsere Demokratie verächtlich zu machen». In dieser oft beängstigenden Zeit gelte es, den Mut und den Blick für andere nicht zu verlieren und mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.
Bischof Meier: Nicht von Resignation anstecken lassen
Der Osnabrücker katholische Bischof Dominicus Meier appellierte an die Menschen, sich trotz aller gegenwärtigen Veränderung und Verunsicherung hoffnungsvoll für die Gesellschaft einzusetzen. «Es braucht Fantasie vom Leben und Mut zum Handeln», sagte Meier in seiner vorab veröffentlichten Predigt zum Jahresabschluss im Osnabrücker Dom. Gleichzeitig rief er dazu auf, sich nicht von der zunehmenden Resignation in Gesellschaft und Kirche anstecken zu lassen: «Jammern und klagen wir nicht wie viele andere auf einem hohen Niveau!»
Christinnen und Christen zeichneten sich unter anderem dadurch aus, dass sie sich um Verständigung und friedliche Lösungen bemühten, sagte Meier. Sie distanzierten sich von jedem Extremismus und achteten andere Religionen und Kulturen, Überzeugungen und
Lebensweisen: «Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung lieben die Freiheit und demokratische Verhältnisse, gestalten sie engagiert mit und sehnen sich nicht danach, durch einen starken Staat oder autoritäre Machthaber gegängelt oder handzahm gemacht zu werden.»
Von Michael Grau (epd)