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Angesichts anhaltender Proteste, Repressionen und Grundrechtsverletzungen im Iran wächst der internationale Druck auf die Führung in Teheran.

Göttingen/Hannover (epd). Die Menschenrechtsverletzungen und drastischen Einschränkungen von Freiheitsrechten im Iran lösen international immer mehr Kritik aus. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, äußerte sich am Dienstag in Genf entsetzt über die staatliche Gewalt gegen Protestierende mit Hunderten Toten und Tausenden Festnahmen. Die Regierenden und Behörden müssten sofort alle Formen der Gewalt und Unterdrückung gegen friedliche Demonstranten einstellen, verlangte Türk. Der Zugang der Menschen zum Internet müsse wiederhergestellt werden.

Weiter verlangte Türk, dass die Verantwortlichen für die Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Mehrere Krankenhäuser seien Berichten zufolge mit der Zahl der Opfer, darunter auch Kinder, überfordert. Die landesweite Abschaltung des Internets und der Telekommunikation sei eines der größten Hindernisse für eine vollständige Überprüfung der Lage.

Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Frank Kopania, drückte seine Sorge über die aktuellen Entwicklungen im Iran aus. «Gewalt gegen friedlich Protestierende und massive Einschränkungen von Freiheitsrechten sind nicht hinnehmbar», erklärte der Leiter der Abteilung Ökumene und Auslandsarbeit im Kirchenamt der EKD auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) in Hannover: «Besonders denken wir an die religiösen Minderheiten, darunter die christliche Gemeinschaft, die im Iran seit Jahren Diskriminierung, Verfolgung und Haftstrafen ausgesetzt ist.»

Die Göttinger Iranistik-Professorin Eva Orthmann zeigte sich besorgt über die Zukunft des Landes. Die erneuten Demonstrationen nur gut drei Jahre nach der 2022 angestoßenen Befreiungsbewegung «Frau, Leben, Freiheit» deuteten auf eine tief sitzende Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung mit der politischen und religiösen Führung des Landes hin, sagte die Direktorin des Seminars für Iranistik der Universität Göttingen dem epd. Die Proteste seien von den unzufriedenen Basar-Händlern in Teheran offenbar sehr schnell auf weite Teile der Bevölkerung übergesprungen, erläuterte Orthmann. Die wirtschaftliche Lage habe sich für die meisten Menschen über Jahre immer weiter verschlechtert.

Das Regime im Iran sieht sich seit Wochen landesweiten Protesten gegen seine autoritäre Herrschaft gegenüber. Große Teile der Bevölkerung leiden unter der schwierigen wirtschaftlichen Lage und wenden sich zunehmend gegen die anhaltende staatliche Repression.